10.05.2024 – Von Lincoln City nach Yachats

Gestern haben wir unser „Pensum“ nicht geschafft. Aber schließlich sind wir im Urlaub und können tun und lassen, was wir wollen. Und das ist heute, mal nach Süden zu fahren. In den sonnigen Süden, wo so schön die Sonne scheint. Macht sie zwar bei uns auch, aber das klingt doch erstmal gut.

Vorher durften wir aber einmal umziehen. Wir hatten für die letzten drei Tage ein Room-Upgrade auf eine King-Suite mit Jakuzzi erhalten, aber aufgrund des Wochenendes ist alles ausgebucht und wir müssen uns mit einer „normalen“ King-Suite begnügen. Dafür ist diese nach dem Frühstück schon bezugsfertig und wir müssen unser Gepäck weder in den Wagen laden noch irgendwo im Hotel zwischenlagern.

Das neue Zimmer ähnelt dem vorherigen, halt nur ohne Privat-Jakuzzi. Dafür ist der Schnitt günstiger: Wenn ich mich morgens an den Rechner setze, scheint jetzt der Bildschirminhalt nicht auf meine schlafendene Göttegattin. Ein Vorteil.

Nach dem leckeren Frühstück geht es los. Wie schon im Titel beschrieben wollen wir heute bis nach Yachats kommen, eine Fahrstrecke von ca. 50 Meilen, Dauer etwa eine Stunde.

Doch kaum haben wir den Highway 101 erreicht, wird die Fahrt schon unterbrochen. Kurz vor der 51. Straße, die zum Taft-District führt, liegen mehrere Glasbläsereien. Und man kann den Künstlern auf die Finger schauen. Oder gegen entsprechende Gebühr auch selbst Hand anlegen und gläserne Kunstwerke erschaffen. Es reizt mich schon, aber wir benügen uns damit, den Mitarbeitenden bei ihrer hitzigen Arbeit zuzuschauen

und die dabei entstandenen Werke zu bewundern.

Nur wenige Meilen südlich von LC liegt die Boiler Bay.  Sie hat ihren Namen von vom Schiff J. Marhoffer, welches dort 1910 untergegangen ist und dessen Kessel (Boiler) bei Ebbe noch zu sehen sein soll.

Wir hatten bei früheren Besuchen den Blick eher in die Ferne schweifen lassen und bei der Gelegenheit auch schon Wale gesichtet. Diese waren wohl auch schon ins Wochenende abgereist und ließen sich daher nicht blicken.

Wieder ein paar Meilen weiter südlich liegt der Ort Depot Bay, welcher laut eigenem Bekunden den kleinsten Hafen der Welt sein eigen nennt.

Aber das ist nicht der einzige Grund für seine Berühmtheit. Auch wird die Stadt „Whale watching Capital“ genannt, wohl, weil dort auch von der dortigen Walsichtungsstation häufig Wale zu sehen sind. Die Küste direkt vor der Stadt ist wild und unbezwungen und

in den Hafen führt nur eine relativ schmale Einfahrt. Für die oberhalb stehenden ist es ein Schauspiel, die Boote ein- und ausfahrenden zu sehen, für unbedarft mitfahrende Touristen grenzt es schon an eine Mutprobe.

Wir gönnten uns das Schauspiel von oben und schlenderten dann unter der Brücke her, um einen Blick in den Hafen zu werfen.

Ein netter, kleiner Hafen, der am linken Ende gerade eine Besonderheit aufwies:

Auf einer Mauer hockte ein Adler, ein Jungtier, wie man an den noch nicht weiß gewordenen Kopffedern erkennen konnte. Und an der Tatsache, dass er sich weder über die ganz in der Nähe liegenden Robben noch über das Mutter mit Jungtier hermachte, welches ebenfalls nicht weit entfernt seine Runden drehte.

OK, wenn die sich vertragen, soll es mir Recht sein. Vielleicht waren sie ja gemeinsam im gleichen Kindergarten und haben sich angefreundet?

Wir verlassen dieses gemütliche Nest und fahren noch ein Stückchen weiter südlich zum Otter Rock State Park, in welchem sich die „Devils Punchbowl“ befindet.


Durch zwei Öffnungen schlägt das Meer nach innen und vergrößert dadurch selbige. Irgendwann werden die Brücken zusammenbrechen und der Otter Rock ist um eine Attraktion ärmer.

Aber die Einwohner bauen schon für den Fall vor und schmücken ihre Häuse zu wahren Kunstwerken mit Fendern. Auch eine Art Abfallverwertung.

Von dort aus ist es nicht weit bis zum Otter Crest Scenic Viewpoint. Auf der einen Seite dieser Anblick.

Wenn man das Häuschen des State Parks geht, findet man dort Park Ranger mit vielen Ferngläsern bestückt vor. Und erhält die Info, dass dort wirklich ein Wal zu sehen war. Wir sind auf einmal wieder hellwach. Schauen auch durch die riesigen Feldstecher und bilden uns ein, neben einem Schlauchboot den Hauch von Wellenschlag eines Meeressäugers gesehen zu haben. Wie schön. Jetzt können wir nach Hause fahren und behaupten, einen Wal gesehen zu haben.

Jetzt geht es noch ein Stück weiter südlich, bis wir nördlich von Newport in Richtung Küste zum Yaquina Head Leuchtturm einbiegen. Der Leuchtturm wurde aufwändig restauriert und seine Optik, eine Fresnel-Linse, leuchtet bis zu 20 Meilen auf das Meer hinaus.

Vor der Küste mehrere große Vogelfelsen, die von allen möglichen Flattermännern bevölkert werden.

Möven sind auch dabei.

Was mich mal wieder besonders fasziniert, sind die Wellen, die eine ganz bestimmte Form beim Überschlag zeigen und durch die man fast durchschauen kann. Ich nenne sie Glaswellen.

Aber auch daran haben wir uns irgendwann sattgesehen und wir beeilen uns, weiter südlich zu kommen.

In Newport machen wir einen ganz kurzen Abstecher. Im Hafen dort liegen nicht nur Fischerboote, sondern auch die Harbour Seals vor Anker und verströmen sowohl akustisch als auch olfaktorisch ihre ganz persönliche Note.

Da wir keine Lust haben, für ein paar Fotos noch Parkgebühren zu zahlen – ja, hier wird kassiert, wir sind in der Großstadt- bleibt es bei ein paar wenigen Fotos.

Jetzt sind es noch ca. 20 Meilen nach Yachats zu fahren. Obwohl wir dort noch nie übernachtet haben, übt dieses Örtchen eine besondere Faszination auf uns aus. War es die öffentliche Bibliothek, durch die wir früher Internet bekamen? Oder der Strand, an dem wir stundenlang lagen, um Achate zu sammeln?

Mit Achaten war es nichts. Dafür waren die Wellen zu hoch. Sie gingen mir bis über die Gürtellinie.

Aber auch hier gibt es wunderschöne Wellen. Ich setzte mich auf die Ladefläche unseres Trucks und fotografierte, guckte, fotografierte und guckte.

Zwischendurch ging mir durch den Kopf, dass wir doch eigentlich gar nicht zurückfahren müssten. Suchen wir uns ein Hotel und bleiben hier. So schön ist es.

Aber irgendwann rafften wir uns dann doch auf und zockelten gemütlich die Stunde zu unserem Hotel in Lincoln City zurück. Was für ein Tag.

09.05.2024 – 2/3 der Three Capes Route

Nördlich von Lincoln City liegt die bekannte „Three Capes Scenic Route“. Eine Autotour, die an drei Kaps (oder heißt es Kappen oder Kapern?) vorbeiführt.

Das südlichste Kap ist Cape Kivanda, gefolgt vom Cape Lookout und an der nördlichen Spitze liegt Cape Meares.

Davon wollten wir soviel wie möglich mitbekommen.

Aber erstmal einen frischen Salat für die Mittagspause bei Grocery Outlet holen. Während die beste Shopperin von allen für unser leibliches Wohl sorgte, schlich ich mich zur örtlichen Feuerwache, wo gerade neben einem der neueren Boliden in rot noch ein älteres Modell in weiß ausgestellt war. Logischerweise fragte ich artig, ob ich sie fotografieren dürfe. Aber die Jungs sind üblicherweise stolz auf ihre chromblitzenden Gefährte, also gab es keine Probleme.

Dann ging es Richtung Norden auf der 101. Nach ca. einer halben Stunde biegt man von dieser nach Westen auf die Brooten Road ab und kommt nach ungefähr 3 Meilen nach Pacific City. Dieses Nest östlich des Nestucca River bietet neben einigen Übernachtungsmöglichkeiten auch eine Art Mini-Versorgungszentrum.

Überquert man dann den Fluss, landet man eine Meile später am Strand-Teil. Hier konzentriert sich fast alles auf das Strandleben. Hotels, Ferienhäuser und alles für den Wassersport.

Eigentlich – früher war es so – biegt man nach links ab und steht auf einem Schotterparkplatz, der von zwei nicht sonderlich modernen Toilettenhäuschen eingerahmt wird. Im Augenblick ist dieser Parkplatz eine Riesenbaustelle, es wird asphaltiert, was das Zeug hält. Und neue und moderne Sanitäranlagen haben zumindest schon die Grundmauern erhalten.

Zum Glück will man die Besucher – und die werden in den nächsten Tagen zum Wochenende wie die Heuschrecken über den Strand herfallen – nicht vergraulen und hat in Laufnähe eine kostenlose Fläche zum Parken zur Verfügung gestellt.

Wir latschen auf den Strand und sehen vor uns die vertraute Düne.

193 Füße erhebt sie sich über den Strand.

Aber wir lassen sie erstmal links (bzw. rechts) liegen und schauen uns die Felsen davor und die Tidepools an.

Es ist Ebbe und so einige Seeanemonen lugen neugierig nach oben und machen ein fotofreundliches Gesicht.

Dann kommt der anstrengendere Teil des Tages. Links neben der Düne kann man die Felsen raufklettern, um auf das eigentliche Kap zu gelangen.

Dort kann man emporsteigen, ohne durch knöcheltiefen Sand zu waten.

Oben ist (leider) mittlerweile eine Menge abgesperrt, aber so einige Blicke in die Wellen gibt es schon noch.

Dann kämpfen wir uns weiter nach oben – durch den Sand – und genießen den Ausblick nach Norden. Links im Hintergrund unser nächstes Tagesziel: Cape Lookout.

Jetzt ist es Zeit für den angenehmeren Teil: die Düne runterlaufen. Neidisch beobachten wir Kinder, die scheinbar mühelos durch den tiefen Sand nach oben „rennen“. Haben unsere Kids früher auch gemacht. Aber das können wir auch. Allerdings nur runter.

Langsam aber sicher füllen sich die Schuhe mit Sand, bis sie fast ihr doppeltes Gewicht erreicht haben. Das gibt ein schönes Häufchen am Wagen.

Als wir das Auto erreichen, hat meine Hiking-App etwas über 3 km auf der Uhr.

Weiter geht es zum Cape Lookout. Ich war der Meinung, man könnte mit dem Wagen zu einem Aussichtspunkt fahren, ein schönes Foto machen (oder auch zwei) und fertig sind wir.

Weit gefehlt. Meine Göttergattin hatte uns einen Trail von 2,4 Meilen Länge zum Kap ausgesucht. Das sind ca. 3,6 km. Eine Strecke. Die hatten wir gestern in Lincoln City am Strand auch und das ging ganz gut.

Zuerst war der Weg auch sehr angenehm zu gehen, nicht steil, schön glatt und es sah nach einem angenehmen Walk aus.

Schöne Blumen säumen den Wegesrand. Hier eine seltene Trillium.

Aber nach ca. 2 Kilometern fing es dann an, etwas tricky zu werden.

Erstens mussten wir mit den Schuhen um einige tiefe Schlammpfützen herumnavigieren.

Und was das Ganze (speziell auf dem Rückweg) auch noch anstrengend machte, waren die Baumwurzeln, die bis zu einem halben Meter hoch in den Weg ragten.

Zwischendurch zum Glück mal ein Blick auf die malerische Küste.

Und dann, nach 3,8 km hatten wir das Ziel erreicht. OK, der Blick war im Endeffekt so wie das letzte Foto. Aber das Cape Kivanda holen wir mal ein wenig näher ran.

Ein Piepmatz gesellte sich zu uns in der Hoffnung, seinen Hunger zu stillen. Aber da mussten wir ihn enttäuschen. Waren selbst zu hungrig und durstig.

Zurück, das war uns klar, würde der Weg nicht einfacher werden. 1. waren wir schon ein wenig geschlaucht, 2. waren die Pfützen und Wurzeln immer noch da und 3. ging es mehr bergauf als auf dem Hinweg.

Da legt man doch gerne ein Päuschen ein, um ein paar besonders schöne Blümchen zu fotografieren.

Mit letzter Kraft erreichten wir den Wagen. Zum Toilettenhäuschen musste ich fahren (oder hätte meine Göttergattin tragen müssen).

Der Weg zurück war so schwerelos, wie wir uns das Wandern gewünscht hätten. Aber nach mehr als 10 Kilometern in unserem Alter darf man schonmal K.o. sein.

Eigentlich wollte ich auf dem Rückweg die Düne nur mal von der anderen Seite fotografieren und bog deshalb auf die Straße zum McPhilipps Beach ein. Präsentiert wurde mir eine üble Dirt Road und plötzlich stand ich mit unserem Dicken auf dem Strand. Auch nicht übel.

Also ein Foto gemacht, dann ab nach Hause und in den Jakuzzi. Unsere Knochen haben es mehr als verdient.

08.05.2024 – Lincoln City – On the beach

Heute fängt der Urlaub richtig an. Wir sind in Lincoln City. Unsere gemeinsame Geschichte begann, als wir die ersten Male mit dem Wohnmobil die Oregon-Küste bereisten. Damals standen wir „for free“ auf dem Parkplatz des Chinook Wind Casinos. In späteren Jahren – 4 mal insgesamt – verbrachten wir dann Urlaube in Ferienhäusern und -wohnungen. Aber was macht diese Stadt aus? Es gibt keinen Stadtkern, keine Oldtown. Lincoln City zieht sich einige Meilen an der 101 entlang. Aber es ist alles vertraut. Auch nach vielen Jahren befindet sich das meiste immer noch am gleichen Platz.

Nachdem wir gestern abend soviel Entspannung an der Küste erlebt hatten, fuhren wir heute nach dem Frühstück direkt wieder hin. Kilometerweit ziehen sich die Logs – die angespülten Baumstämme am Strand entlang und werden gerne für das eine oder andere Lagerfeuer verwendet.

Von der Aussichtsplatform von Mo’s (der berühmten Muschelküchenkette) schaut man zum einen auf die Mündung des Siletz River.

 

Nach Westen der relativ leere Strand. Nur ca. ein Dutzend Menschen lustwandeln, den Blick streng auf den Strand gerichtet und mit einem Behälter in der Hand, langsam von hier nach dort. Ab und zu bückt sich eine Gestalt und das Lächeln im Gesicht zeigt, dass man bei der Achat-Suche fündig wurde.

Und das ist das Schöne. Selbst wenn schon einige vor Dir den Strand abgesucht haben: Du findest selbst immer wieder welche von den durchsichtigen Steinchen. Mal kleiner, mal größer. Es kommt ganz auf den Winkel an, mit dem du den Strand betrachtest. Oder ob die Wellen gerade neue Steine angespült oder vorhandene umgedreht haben.

Und so bekamen wir im Laufe der letzten „Wanderungen“ dieses hübsche Häufchen zusammen.

Auf dem Weg in Richtung Highway einmal das „Eingangstor“ des historischen Taft-Districts.

Wo sich auch viele hübsche Holzhäuser befinden. Einige davon von Oregonians bewohnt, aber auch nicht wenige als Ferienhäuser vermietet.

Wir setzen uns schnurstracks auf die 101 und schaffen es immerhin bis zum Outlet-Center, wo meine Göttergattin sich nach einer gefütterten Jacke bei Columbia Sportswear umsehen will. Ich lehne den Sitz im Auto weit zurück und mache derweil ein wenig Augenpflege.

Fündig geworden geht es weiter. Und da: Die erste große Änderung in dem sonst so beschaulichen Nest: Der Grocery Outlet ist umgezogen. Schnell mal rein und schauen, was es für das leibliche Wohl zu kaufen gibt. Ein Zitronenkäsekuchen für den Nachtisch muss sein, Salat zum Mittagessen. Alles weitere holen wir uns morgen frisch.

Nächstes Ziel ist der Ortsteil Roads End. Wie der Name schon sagt, eine Sackgasse, wo wir unser erstes Ferienhaus hatten. Klar, dass so etwas prägt.

Dort gibt es einen „State Park“. Also genau genommen einen Parkplatz mit einem Toilettenhäuschen, einem Wasserhahn zum Abspülen des Sandes und einen Abgang zum Strand. Und einen Ausblick zum Liegenbleiben.

Nachdem wir den Salat und einen Teil des Nachtisches auf der Ladefläche unseres Dicken genossen haben (war mächtig windig heute), ruhen wir uns von der Anstrengung der Nahrungsaufnahme aus. Finde ich gerechtfertigt. Und bei dem Anblick?

Endlich raffen wir uns auf und packen uns dick ein, denn der Wind pfeift noch immer und gehen am Strand Richtung Süden. Kaum eine Menschenseele begegnet uns.

Irgendwann gibt es auch wieder einen Aufgang in der Steilküste und wir beschließen, nicht GEGEN den Wind am Strand zurückzulaufen. Wie man auf obigem Bild vielleicht erkennen kann, treibt der Wind den Sand an der linken Bildhälfte peitschend vor sich her.

Die Strecke sind wir gelaufen? Es geht einige Treppen hinauf und wir landen präzise am Casino. Während Karin die Keramikabteilung aufsucht, ersuche ich bei der Security um ein Fotografiererlaubnis und bekomme sie auch. Ich soll nur keine Spielautomaten als Hauptmotiv ablichten.

Wieder draußen gibt es noch ein Foto des Casinos. Wir finden unsere alten Stellplätze wieder (die leider nicht mehr kostenlos sind).

Und spazieren gemütlich durch die Wohngegenden zurück zum Auto.

Von dort hangeln wir uns durch Nebenstraßen an der Küste entlang, sichten kurz unsere ehemaligen Domizile und können an der 15. Straße sogar kurz auf den Strand fahren.

Der Highway verläuft in leicht geschwungenen Kurven auf leicht hügeliger Strecke. Die Nebenstraßen sind das genaue Gegenteil. In die Hügel zwischen Highway und Küste hat man mittlerweile mächtig gebaut, der Tourismus hat hier seine Wurzeln geschlagen.

Dann irgendwann erreichen wir das Hotel. Quatschen noch ein wenig  mit der Managerin, eine ausgewanderte Deutsche, die sich freut, mal wieder in ihrer Muttersprache plaudern zu können.

In der Mikrowelle wir ein Nudelgericht warm gemacht, es ist gleich 19 Uhr. Vielleicht fahren wir nochmal zum Strand, ein paar Steinchen sammeln?

Ja genau, wir waren noch einmal unterwegs. Eine halbe bis 3/4 Stunde am Strand entlang. Allerdings pfiff der Wind von heute Mittag immer noch und schoss die Sandkörnchen an die nackten Waden.

Aber schön war’s trotzdem. Lincoln City ist immer so erholsam.

07.05.2024 – Von Gold Beach nach Lincoln City

Nachdem wir gestern wieder nach Gold Beach zurückgekehrt waren, mussten wir logischerweise auf dem Weg nach Norden einiges an Strecke erneut fahren. Aber das macht nichts, denn auf dem Highway 101 ist man üblicherweise sehr entspannt unterwegs. Bis nach Bandon zockelten wir daher ohne Pause durch, um dann noch einmal beim Face Rock einen Stop einzulegen. Denn die beste Figurensucherin von allen hatte bei unserem letzten Besuch – wie lange war das her? – den Wizard Rock übersehen, der wie ein Zauberhut aus Harry Potter aussieht.

Den Face Rock hatte sogar ich schnell wieder erkannt.

Am Zaun gesellte sich ein älterer Herr zu uns mit einem mächtigen Fernrohr und jauchzte vor Begeisterung. Er hatte auf einem der weit entfernten Felsen Puffins entdeckt. Diese Vögel waren mir vom Hörensagen hauptsächlich von Island her bekannt, aber offensichtlich gibt es die Gattung der Lunde (oder lateinisch Fratercula) auch in seltenen Fällen auch auf dem amerikanischen Kontinent. Ich heuchelte große Begeisterung und schnallte pflichtgemäß mein dickes Tele drauf.

Aber leider konnte selbst die größte Zoomstufe mit dem Fernrohr nicht mithalten. Mit viel Fantasie könnt Ihr ziemlich in der Mitte des Bildes ein paar rote Punkte erkennen. Das sind die Schnäbel der possierlichen Vögel.

Die Küste ist aber auch ohne die Vögel nicht ohne.

Dann geht es zu einem Aussichtspunkt, wo man den Wizard Hat zusammen mit anderen Felsen, unter anderem dem Face Rock auf die Platte bannen kann. Check.

Auf dem weiteren Weg liegt – wie öfters an der Küste – noch ein schöner Leuchtturm (das Coquille River Lighthouse), den wir natürlich nicht links liegen lassen konnten.

Nach Bandon ist es nur ein kurzes Stückchen und wir gönnen uns einen Ritt durch die Oldtown. Wieviel schöner sind doch diese Nester bei Sonnenschein.

Wenn man das Örtchen dann in Richtung Norden verlässt, stößt man auf die Face Rock Creamery (wofür dieser Name überall herhalten muss…). Dies ist die Nachfolgerin der uns von früher bekannte Bandon Cheese Factory. Letztere wurde im Jahr 2000 von der Tillamook Cheese Factory aufgekauft und runtergefahren. Unterschied? Der Name. Und im Gegensatz zur Tillamook Factory kann man die Pröbchen nicht nur einzeln mit einem Zahnstocher entnehmen, sondern etwas grobschlächtiger mit einer Zange reingreifen. Sehr leckeren Käse haben sie dort.

Und wie er gemacht wird, kann man auch beobachten. Man sieht, Bandon ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Es geht nach Norden über schöne Stahlbrücken nach Coos Bay und North Bend.

Diese Doppelstadt lebt unter anderem von der Holzindustrie und wir fahren einfach nur durch.

Zum Umpqua Lighthouse verlassen wir die 101 und schauen uns von außen dieses schöne Gebäude an.

Wir befinden uns im Gebiet der Oregon Dunes und vor uns erstrecken sich kilometerweit Dünen aus feinem weißen Sand.

Ich erinnere mich noch daran, dass wir vor vielen Jahren mit den Kids im Jessie M. Honeyman Statepark waren, wo man direkt von einer ca. 10 m hohen Sanddüne direkt in einen Süßwassersee laufen, springen, purzeln konnte. Ich kenne zwei Herren, die damals tierischen Spaß hatten.

Die nächste Stadt, die wir durchfahren, ist Florence. Hier hatten wir vor vielen Jahren in zwei Urlauben Ferienhäuser, um von dort aus die Küste unsicher zu machen.

Wir machten im Visitor Center einen kurzen Stop, um uns zu erkundigen, wo man einen 5-Tages State Park Pass erwerben könne. Leider konnte uns die Dame nicht wirklich weiterhelfen, aber auf der gegenüberliegenden Straßenseite gab es einen Laden namens „Sporting Goods“, der so etwas verkaufte. Der Gentleman dort witterte offensichtlich nicht das Geschäft seines Lebens und war dementsprechend wortkarg und wenig freundlich.

Wir ließen uns nichts anmerken und statteten der Oldtown noch eine Stipvisite ab. Hier standen diverse Bäume gerade in voller Blüte, ein herrlicher Anblick.

Eines müssen wir noch erledigen: Tanken. Mittels der App „Gas Buddys“ hatte ich mich vorher informiert, wo man halbwegs preiswert an Sprit kommen könnte. In Florence bot eine Tankstelle für 4.379 USD/Ga an. Auffüllen bitte.

Nächstes Ziel ist das Heceta Lighthouse. Heute haben wir es mit den Leuchttürmen.

Dank unseres frisch gekauften Passes durften wir, ohne extra zu bezahlen, dort parken und wanderten die halbe Meile zu diesem Haus herauf.

So Leuchtturmwärter hatten es in einem Punkt gut: Immer eine tolle Aussicht auch bei der Arbeit.

Unter uns schlugen die Wellen mit einer uns noch nicht vorgekommenen Wucht an die Felsen, die den Boden erbeben ließen.

Wieder zurück am Auto mussten wir zusehen, dass wir zu unserem Hotel kamen.

Einen Stop durften (bzw. mussten) wir noch einlegen: Am Strawberry Hill. Aus früheren Urlauben war uns bekannt, dass auf einem nicht zu weit entfernt gelegenen Felsen pelzige Säugetiere hausten.

Und auch diesmal waren sie da und beäugten uns neugierig.

Wir ließen uns davon nicht beirren und beäugten unsererseits die Gegend neugierig. Lohnt sich dort immer.

Nachdem wir genug beäugt hatten, ging es so gut wie ohne Pause durch ins Hotel.

Sachen ausgepackt und dann los, um den Hunger zu stillen. Irgendwie war mir heute nach Burger und der nächste König mit seiner Filiale war nicht weit. Aber anstatt drinnen auf die Tische zu kleckern, zogen wir es vor, mit dem Wagen auf den Parkplatz an der Mündung des D-River (kürzester Fluss der USA) zu fahren. Ladefläche in Richtung Meer stellen und auf selbiger mit Blick auf den Ozean die Atzung vernichten. So muss Urlaub sein.

Aber der Abend war noch zu jung, um im Hotel zu früh einzuschlafen. Wir fuhren zurück, am Hotel vorbei und zum Taft-District, einem süßen Ortsteil ganz im Süden von Lincoln City. Dort kann man schön an den Strand gehen und mit etwas Glück auch Achate finden.

Das taten wir auch und dann ging es endlich nach Hause. Jetzt hat der Urlaub richtig begonnen. Auch nachdem mich eine Welle bis zum Oberschenkel erwischt hatte…

06.05.2024 – Von Gold Beach nach Coos Bay

Der Tag begann, wie er geendet hat: Mit einem zarten Wolkengrau, welches in ein Zementgrau und dann in ein Mausgrau überging.

Wollen wir bei dem Wetter wirklich los? OK, es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung. Aber wenn man auf die passende Kleidung keine Lust hat? Wir entschlossen uns zu einem Mix aus: Wir bleiben den ganzen Tag im Bett und: So schnell wie möglich ab auf die Piste. Ziel für heute war die Küste von hier (Gold Beach) bis hinauf nach Coos Bay. Gefahren waren wir die Strecke schon einige Male, aber hatten nie die Zeit gefunden, hier und da einen Statepark mit besonders schönen Felsformationen zu besuchen. Dies wollten wir jetzt wenigstens zum Teil nachholen.

Wenn man Gold Beach in nördlicher Richtung verlässt, fährt man über die Isaac Lee Patterson Bridge. Wie viele Brücken an der Küste ein imposantes Bauwerk, macht es bei der trüben Witterung nicht viel her.

Ca. 20 Meilen weiter nördlich erreichen wir Port Orford, laut einem Straßenschild die älteste Stadt an der Oregonküste. Uns ist sie hauptsächlich deswegen in Erinnerung geblieben, weil dieses Nest mit gerade mal 1190 Einwohnern einen kunstvoll gestalteten Skateboardpark hatte.

Wir konzentrierten uns diesmal aber auf das Visitor Center. Dort trafen wir auf einen netten Oldtimer, dem zwar an den meisten Zähnen, aber nicht am Wissen um die Umgebung mangelte. Unter anderem beschrieb er uns den Weg zu einem Strand, wo man Achate finden könne.

Aber vorher gingen wir direkt vor dem Besucherzentrum an den Strand, wo wir ein Menge bläulicher Quallen mit Namen Velella Velella oder auch By-the-wind-sailor, die im Gegensatz zu manch anderen Quallen nicht als gefährlich eingestuft werden. Anfassen sollte man sie trotzdem nicht, da sie mit den „Portugese man o‘ war“ verwandt sind.

Danach packte es uns dann doch, der Agate Beach lockte. Es ist ein unheimlich entspannendes Gefühl, mit dem nach unten gerichteten Blick über den Strand zu streifen und das eine oder andere Steinchen aufzuheben. Und wir wurden fündig. Fotos werden so bald wie möglich nachgereicht. Und es hat noch einen Trimm-Dich-Effekt: Mit einer 15 kg schweren Kameraausrüstung in die Knie und wieder hoch, das merkt man irgendwann.

Wir müssen weiter. Cape Blanco lockt mit einem schönen Leuchtturm.

Ganz in der Nähe des Leuchtturms liegt noch das Hughes Haus. Es ist ein historisches Haus im Queen-Anne-Stil, das 1898 am Cape Blanco im US-Bundesstaat Oregon erbaut wurde. Die Familie Hughes besaß über 2.000 Acres und betrieb eine Milchfarm am Cape Blanco.

Dann auf die Piste in Richtung Bandon.

Dieses kleine Küstenstädchen war uns auch von früher her bekannt durch die berühmte Bandon Cheese Faktory. Welche es mittlerweile nicht mehr gibt.

Aber halt, beinahe hätte ich etwas vergessen. Von Süden kommend, war es noch wichtiger als Bandon, den sogenannten Face Rock zu finden. Entweder gab es den von 30 Jahren noch nicht oder wir kannten ihn noch nicht?

Jetzt sahen wir ihn in voller Größe und Schönheit vor uns und selbst ich mit meinem fantasielosen Auge konnte eine Kontur eines Gesichtes erkennen, welches nach rechts oben blickt. Ihr auch?

Das wäre erledigt. Glück gehabt. Sonst hätte ich den Rest des Tages keine Ruhe mehr gehabt.

In Bandon selbst genossen wir ein paar Minuten im Hafen,

wo gerade ein paar Speed Boat Fahrer einliefen.

Auch wenn es die Cheese-Faktory nicht mehr gibt, Abhilfe wurde geschaffen. Es gibt den Laden Cranberry Sweets, wo genügend Pröbchen angeboten werden, um einem Zahn- und Bauchschmerzen zu verschaffen.

Man muss dazu sagen, dass diese Gegend die Heimat der in Amerika sehr bekannten Cranberrys ist. Ca. 99% dieser Früchte wachsen hier und werden verarbeitet. Obwohl ich mich bemüht habe, konnte ich nicht ganz widerstehen. Immerhin wurde ich nicht rausgeworfen.

Dann ging es schleunigst weiter nach Norden. In der Nähe von Coos Bay, einer Industriestadt, liegt etwas südlich das Cape Arago. Dies ist bekannt durch seine See-Elefanten-Kolonie, See-Löwen sind dort auch geduldet. Es ist die nördlichste Ansiedlung dieser Tiere an der amerikanischen Küste.

Wenn man sich dem Aussichtspunkt nähert, hört man schon von weitem die Rufe der Tiere. Zum Glück sind sie weit genug weg, dass man die Gerüche nicht mitbekommt. Als absolute Naturburschen lehnen sie künstliche Mittel zur Geruchsverbesserung wie Deo-Sticks strickt ab. Merke: Ein gesunder Körper riecht nicht.

Die Entfernung ist schon ziemlich groß und mit dem bloßen Auge bietet sich dieser Anblick:

Also schnallte ich alles, was ich an Vergrößerungsoptiken dabei hatte, auf die Kamera drauf und dann konnte man etwas besser erkennen, was sich da vor uns auf den Felsen wältze und räkelte.

Endlich weiß ich, warum ich diesen ganzen Kram mit mir rumschleppe.

Noch ein Blick in die Runde und dann müssen wir uns auf den Heimweg machen. Ca. 90 Minuten Fahrt liegen vor uns.

Als wir dann schließlich in Gold Beach die Brücke erreichen, liegt diese gerade im schönsten Abendlicht. Sieht doch anders aus als heute morgen?

Dann noch ein letztes Foto im Gegenlicht mit dem Roque-River im Vordergrund und ein paar Minuten später sind wir zuhause.

Was für ein Tag. Regen erwartet, viel Sonnenschein erhalten.