14.09.2023 – Yellowstone Nationalpark, Teil 1

Heute fahren wir ganz bewusst in den Yellowstone NP ein. Wir haben uns in West Yellowstone fünf Nächte einquartiert, damit wir den Park endlich mal in Ruhe erkunden können.

Das Frühstück war gut, der Frühstücksraum zwar ziemlich klein, aber das Personal freundlich und die angebotenen Speisen fanden auch unseren Geschmack. Als ich nachfragte, ob ich unsere Coffee Mugs auffüllen dürfte, strömte die Dame an der Rezeption fast über vor Begeisterung und Freundlichkeit: Natürlich, Kaffee, soviel ich mag. Also sorgte ich für einen entsprechenden Koffeinschub für einen Teil der Fahrt. Das Debakel von gestern passiert mir nicht nochmal.

Dann ging es auf die Piste. Nur etwa 3 Meilen vom Hotel entfernt ist schon das Gate zum Park. Die Schlangen hielten sich in Grenzen und wir waren schnell drin.

Was erwartet uns? Zuerst mal dichter Nebel. Man konnte die Hand vor Augen nicht erkennen, aber da hatte ich sie ja auch nicht. Das kann ja (hoffentlich) heiter werden.

Die 191 nach Osten führt bis zur Madison Junction immer schön am Madison River entlang. Logisch, dass man sich dort schon die Augen aus dem Kopf starrt, um die lang ersehnen Elche (Moose) zu sehen.

Der Nebel hatte am Fluss ein wenig aufgeklart und der Wetterbericht versprach noch mehr Besserung.

An der Madison Junction bogen wir nach Süden ab, weiter auf der 191 bleibend, um kurz danach in die Firehole Canyon Road abzubiegen. Dies ist eine Parallelstraße, die direkt an den Firehole Falls vorbeiführt.

Der Nebel hatte sich wieder zugezogen, aber bis zu den Fällen reichte die Sicht zum Glück noch.

Wieder auf der Hauptstraße, brach sich die Sonne den Weg durch die Wolken, aber der Kaffee vom Frühstück drängte mit Macht nach draußen. Und während ich auf meine Göttergattin wartete, konnte ich diesen hübschen Vogel ganz aus der Nähe auf die Platte bannen.

Kurz vor dem Fountain Paintpot ergab sich die Gelegenheit, die dampfenden Solfataren vor dem blauen Himmel und dem gelben Gras und einer Bisonherde im Vordergrund abzulichten.

Auf dem Parkplatz der Fountain Paintpot ließ sich recht schnell ein Parkplatz ergattern und wir drehten eine Runde um die Schlammlöcher, die nebenbei auch nicht angenehm rochen.

Eine Libelle hatte es sich auf dem Weg gemütlich gemacht und hatte sich für die Fotografen in Pose gesetzt.

Weiter geht es. Meine Göttergattin wollte unbedingt zur Grand Prismatic Spring, aber diese nicht aus nächster Nähe, sondern von oben betrachten.

Also reihten wir uns in die Schlange derer ein, die auf den Parkplatz zu dieser Attraktion wollten. Gerade bevor es reinging, kam ein Parkranger angelaufen und machte uns einen Strich durch die Rechnung: Der Parkplatz ist voll, hier kommt keiner mehr drauf. Also etwas missgelaunt weiterfahren zum nächsten Parkplatz, dem für die Fairy Falls.

Hier hatten wir mehr Glück, ich quetschte unseren Dicken rückwärts in eine mir passend erscheinende Lücke und wir machten uns auf die Wanderung.

Zuerst über den Fluss

an einem schönen Blue Hole vorbei zog sich der Weg in die Länge.

Irgendwann stand dann ein Schild da: Zum Prismatic Spring Overlook. Damit hatten wir nicht gerechnet. OK, der Weg bergauf brachte uns ein wenig ins Keuchen, aber der Anblick der Quelle von oben machte das mehr als wett.

Nächstes Ziel war Old Faithful, ein regelmäßig springender Geysir. Wobei man mal erwähnen sollte, dass alle Geysire dieser Welt ihren Namen von einer Springquelle in Island haben. Diese hat(te) den Namen Gesyir. Der Namensgeber auf der Insel im Nordatlantik ist mittlerweile erloschen, seinen Job dort hat eine Quelle namens Strokkur übernommen.

In einem riesigen Halbkreis waren in drei Reihen Bänke aufgestellt. Wir hatten das Glück, in der ersten Reihe eine Bank mit zwei anderen Besucherinnen zu teilen. Und dann heißt es warten. Old Faithful springt ca. alle 90 Minuten. Wie wir hinterher erfuhren, steht die Information zu seinem Springplan im Visitorcenter. Irgendwann kam eine Parkrangerin vorbei und rief wie ein Nachtwächter überall aus: Nächster Ausbruch: 15.05 Uhr. Das lässt mir genug Zeit, unsere Futtertasche zu holen und bis zur Eruptuion ein wenig zu essen.

Halbwegs pünktlich trat Old Faithful in Aktion, allerdings in meinen Augen wenig spektakulär. Ich hatte schon höhere Ausbrüche in Erinnerung.

Ein Stück hinter dem Halbkreis steht das Old Faithful Inn, ein komplett aus Holz gebautes Hotel für die gut betuchten Besucher. Ist übrigens ein Jahr vorher ausgebucht.

Innen kann man die fantastische Holzkonstruktion sehen, die heute gar nicht oder nur mit unendlichen Kosten rekonstruiert werden könnte.

Weiter ging es zum Mud Volcano, wo wir einen schönen Rundweg liefen.

Dieser begann am Dragon’s mouth spring. Die Sonne ging langsam auf den Horizont zu und wir genossen den Weg, den Gestank allerdings weniger.

Zum Schluss sahen wir noch den Mud Caldron,

bis es zum Hayden Valley ging. Das Tal ist für seine großen Tierpopulationen bekannt.

Auch hier konnten wir Büffel aus der Nähe betrachten, mittlerweile nichts Neues für uns. Werde bei der Parkverwaltung mal Elche und Adler bestellen.

Kurz bevor es dann bei Canyon Village wieder nach Westen ging, statteten wir noch dem Grand Canyon of the Yellowstone einen kurzen Besuch ab.

Die Fälle liegen um die Uhrzeit im Schatten,

wir werden morgen früh wiederkommen.

Dann ab auf die Piste in Richtung West Yellowstone. Immer wieder Schlangen, die sich lange hinzogen, vermutlich, weil mal wieder ein Büffel über die Straße zockelte.

Als wir dann auf dem letzten Stück zwischen Madison Junction und West Yellowstone waren, dunkelte es schon ein wenig und wir standen wieder in der Schlange. Endlich waren alle Autos vor uns weg, nur ein Büffel schlich ganz gemütlich schräg von links nach rechts über die Straße. Diese Gemütsruhe möchte ich haben. Aber mal eben überholen ist da verboten.

Meine Göttergattin stieß mich an: Los, fotografier ihn. Ich antwortete: Möchtest Du wirklich, dass ich auf meiner Webseite und in den sozialen Medien ein Büffelhinterteil mit deutlich sichtbarem Gehänge poste?

Zack, danach war Ruhe.

Und irgendwann waren wir dann auch zu Hause. Mal wieder ein toller Tag.

 

13.09.2023 – Von Moran nach West Yellowstone

Howdy Gents and Cowgirls,

die erste Nacht auf einer Ranch geschlafen. Erstaunlich gut. Aber was steht uns jetzt bevor? Katzenwäsche am Wassertrog? Wie die ganzen anderen Gäste, die im Planwagen genächtigt haben? Wir trafen einen dieser Vertreter, als sich dieser aus den Planen schälte. Es wäre wegen der Kälte gar nicht so schlimm gewesen, es gibt ein elektrisches Heizöfchen in der Holz- und Planensuite. Also was für Weicheier und nichts für echte Cowboys. Hatten wir auch im Zimmer, aber so weich sind wir nun doch nicht. Eigentlich haben wir den Lüfter aber aus nur Angst vor dem Lärm ausgelassen.

Es gab unter unserer Dusche heißes Wasser, eine Wohltat am frühen Morgen.

Das erste Highlight steht direkt bevor: Die Pferdeherde, die gestern ins Flusstal zum Weiden getrieben worden war, kam jetzt wieder in die Koppel.

Wir stellten uns etwas oberhalb des Weges hin und konnten aus nächster Nähe das Schauspiel (für Stadtmenschen wie uns schon aufregend) aus allernächster Nähe beobachten.

Für das Frühstück hatten wir uns etwas besonderes einfallen lassen: Karin vernichtete zwei Erdnussriegel, ich bauchte derer drei ein. Zusammen mit einem guten Schluck Cola ein reichhaltiges und nahrhaftes Frühstück, was zumindest den Magnesiumbedarf des Tages deckt.

Bevor wir losfuhren, zeigten sich die Tetons im allerschönsten Morgenlicht. So hatte ich es mir vorgestellt.

Es ging über die Moran Entrance Station in Richtung Oxbow Bend. Das Bild von gestern ließ sich nicht ganz so reproduzieren, zu dramatisch hingen die Wolken bis tief in die Berge.

Wir wollten heute die „östliche“ Route nach Norden fahren und mussten logischerweise dazu erstmal nach Süden. Dies geschah auf der gleichen Strecke wie gestern, nur in umgekehrter Richtung. Die Jenny Lake Loop nahmen wir nochmal mit, diesmal war der Parkplatz deutlich leerer. Muss am Wetter und an der Uhrzeit liegen.

Dafür kann man sich den schönsten Fotopunkt aussuchen.

Am Jenny Lake Visitor Center musste ich mein doch etwas mageres Frühstück etwas aufbohren und füllte mir für nur 4,5 USD unsere Kaffeekanne mit Kaffee. Muss uns den Rest des Tages wachhalten (tat es aber nicht).

Als wir an der Moose Junction (übrigens kein einziges Moose zu sehen, die müssen die Kreuzung unbedingt umbenennen) dann auf die 89 nach Norden eingebogen waren, ging es kurze Zeit später in östlicher Richtung ca. eine Meile zur „Mormon Row“. Das ist eine Ansammlung von Gebäuden und Scheunen, die allesamt von Mitgliedern der Familie Moulton erbaut und bewirtschaftet wurden. Und da die Mormonen ja für kinderreiche Familien bekannt sind, hat es auch nie an Arbeitskräften gemangelt. Bekannt ist vor allem diese Scheune der T.A. Moulton, die mit den Bergen im Hintergrund ein häufig fotografiertes Motiv ist.

Weiter ging es zum Schwabacher Landing, einer seichten Stelle im Snake River, die wohl früher zum Überqueren des Flusses genutzt wurden.

Träge mäandert der Snake durch die Botanik, die bunten Bäume bilden einen herrlichen Vordergrund zu den Bergen, die auch verhangen nicht weniger majestätisch aussehen.

Am Willow Flats Overlook machten wir dann einen weiteren Fotostop verbunden mit einem kleinen Nickerchen, irgendwie wirkte der Kaffee nicht so richtig und bei uns beiden war gerade der Ofen aus.

Am Elk Flat Ranch turnout die erste Bison-Herde. Ziemlich weit weg, aber ich mach mal ein Foto, wer weiß, wann wir wieder welche vor die Linse bekommen.

Das nächste Ziel war die Colter Bay, eine riesige Ansammlung von touristischen Outdoor-Attraktivitäten. Uns interessierte diese stille Stelle des Sees, wo wir einen Augenblick gut abschalten konnten.

Weiter nach Norden ging es aus dem Park raus auf den John D. Rockefeller Parkway, welcher den Grand Teton NP mit dem Yellowstone Nationalpark verbindet.

Auf halber Strecke dazwischen geht nach Westen eine Straße zur Flagg Ranch ab, die, wenn man sie durchfährt, bis nach Idaho führt. Das brauchten wir gerade nicht, aber wir fuhren trotzdem ein Stückchen auf der gut gepavten Dirtroad bis zu einem freien Campground. Diesen hatten wir vor ca. 20 Jahren schon einmal mit dem Wohnmobil besucht und uns dort sehr wohl gefühlt.

Einer der Camper, mit dem wir ins Gespräch kamen, erzählte uns, dass diese Gegend voll mit Elchen, Bären und anderen Viechern sei. Die wir natürlich nicht zu sehen bekamen.

Aber wir konnten zumindest die wunderschöne und absolut friedliche Landschaft einen Augenblick genießen, bevor es weiter in Richtung Yellowstone ging.

Dieser Park ist der älteste Nationalpark der USA (Gründung 1.3.1872) und umfasst in etwa die Größe des Saarlands. Besonders für ihn sind die vielen Thermalquellen und der außergewöhnliche Reichtum an Tieren. Bisons, Elche und auch Bären werden hier häufiger als anderswo gesichtet.

Die Straßen im Yellowstone lassen sich am besten in Form einer 8 beschreiben. Wir kamen am unteren Ende an und fuhren die linke Schleife bis zu Mitte rauf.

Als erste Attraktion fällt der Lewis Canyon auf. Direkt neben der Straße fällt das Gelände steil nach unten ab und meine Göttergattin wäre aus dem Quietschen gar nicht mehr rausgekommen, wenn der Rest nicht so faszinierend gewesen wäre.

Aber damit hatte es sich auch schon mit attraktiver Landschaft fürs erste. Wenn man nicht gerade an heißen Quellen vorbeifährt, wo es aus der Erde dampft, ist die Fahrstrecke durch den Wald eher langweilig.

Als dann die Bäume zurücktraten und die offenen Wiesen sichtbar wurden, wurden wir beide wieder wacher. Besonders wenn am Straßenrand Schilder stehen: Nicht am Straßenrand stehen oder parken. Das weist normalerweise darauf hin, dass dort Viecher – also Bären, Bisons oder Elche – zu sehen sind. Man sollte dann Turnouts benutzen. Aber da diese meisten entweder voll oder nicht anwesend sind, macht man das beste aus der Situation: Man stellt sich nicht an den Straßenrand, sondern bleibt direkt auf der Straße stehen, um zu gucken. Das weist die hinter einem Fahrenden direkt auf einen „Point of Interest“ hin und er kann schonmal die Kamera rausholen. Eine solche Situation erlebten wir hier auch. Nur mit dem großen Vorteil, dass in einem Turnout gerade ein Platz frei wurde. Links und rechts Bisons in nicht allzugroßer Entfernung.

Nachdem ich ein paar Fotos geschossen hatte, stellte ich die Kamera auf Video und versuchte mich an dieser Technik. Blöd nur, wenn einem ständig die vorbeifahrenden Wagen die Sicht versperren. Aber wozu haben wir einen Truck? Ab auf die Ladefläche und schon ist die Sicht zu 99% besser. Und ich bin auch noch weiter von den Hörnern der Viecher entfernt, sollten sie sich für unser Auto interessieren (was nicht der Fall war).

Genug gebüffelt, das Wetter wurde schlechter, wir kamen in einen Hagelschauer, so dass wir alle weiteren Attraktivitäten am Wegesrand sich selbst überließen und direkt das Hotel ansteuerten.

Wir bezogen unser Zimmer – gefällt uns gut – und begaben uns eingedenk des ausgefallenen Frühstück zu einer Fleischpattie-Kette mit einem goldenen M.

Danach noch im Supermarkt Vorräte ergänzen – hier ist alles ca. 2 USD teurer – und dann ab ins Hotel, den Abend ausklingen lassen.

Ein aufregender Tag.

Gefahrene Meilen heute: 162.

12.09.2023 – Von Pinedale nach Moran – Grand Teton National Park

Guten Morgen, Pinedale. Die Nacht war echt kühl, zumindest schwitzt man nicht unter der Decke.

Heute geht es nach Moran. Das „Nest“ liegt am östlichen Ausgang des Grand Teton National Parks. Dieser völlig unterbewertete Park war von uns schon einige Male in beiden Richtungen durchfahren worden, ohne dass wir die Gelegenheit gehabt hätten, mehr als ein paar Viewpoints anzufahren.

Da Moran leider kein Best Western Hotel anbietet, mussten wir in den sauren Apfel beißen und mieteten uns auf einer „Guest Ranch“ ein. Der Preis ist allerdings jenseits von gut und böse: 244 USD für eine Nacht ohne Frühstück.

Von Pinedale aus nach Moran sind es reine Fahrzeit ca. 2 Stunden, also Zeit genug, uns in den „Tetons“ umzusehen.

Bevor es in den Park von Süden geht, fährt man durch das Städchen Jackson Hole. Früher mal sehr beschaulich, hat es sich zum Ausgangspunkt in die Tetons und den Yellowstone NP sowie zum absoluten Touristenmagnet für die Reichen und Schönen entwickelt. Allerdings sagt man, dass die Zahl der Millionäre mittlerweile stark gesunken ist. Sie wurden von den Milliardären verdrängt…

Was seit Urzeiten geblieben ist, sind die Geweihbögen am City-Square,

um die sich die Altstadt angeordnet hat.

Besonderer Augenfang: Ein deutsches Auto – ist Auto der richtige Begriff? – mit dem treffenden Kennzeichen M-UD parkte vor unserer Nase. Wenn der nicht überall hinkommt, dann weiß ich es auch nicht.

Wir spazierten einmal rund, ich suchte mir ein freies Internet, um die Nationalpark App und ein paar Infos runterzuladen, denn in den kommenden zwei Parks (und die sind groß) dürfte die Online-Verfügbarkeit eher mau sein.

Wir fuhren in den Park, die Wartezeit hielt sich in Grenzen

und hatten den ersten Stop in der Nähe des Jenny Lake. Hier gibt es ein großes Versorgungszentrum, was logischerweise auch viel Verkehr nach sich zieht.

Wir zogen es vor, die sogenannte Jenny Lake Loop von oben reinzufahren und dort erstmal am String Lake

eine kleine Wanderung zu beginnen. Sie führte uns am See und der fantastischen Bergwelt entlang bis zum Leigh Lake.

Wieder zurück am Wagen holten wir unsere Vorräte aus der Kühlung und genossen erstmal an einem Picknicplatz ein schmackhaftes Mittagessen. Der kleine Nachbar machte keinen neidischen Eindruck, er war auf andere Nahrung spezialisiert.

Gut gesättigt fuhren wir noch die Lake Loop weiter und machten am Lookout des Jenny Lake auch noch einen Stop.

Wieder auf dem Weg nach Norden gönnten wir dem Mount Moran noch einen Blick und ein Foto

bis zum nächsten Turnout, der Signal Mountain Boat Ramp. Hier kam ich mir vor wie an der Küste Washingtons oder Oregons, nur dass diese keine Berge im Hintergrund haben.

Am Oxbow Bend machten wir eine weitere Pause, eine großartige Landschaft breitete sich aus.

Hier sollen angeblich in den Abendstunden viele Wildtiere zu sehen sein. Da die Stelle nur ca. 5 Meilen von unserem Quartier entfernt liegt, werden wir nach dem Checkin noch einmal dahin zurückkehren.

Die Ranch ist über und über mit Planwagen bedeckt, und wo kein Planwagen steht, befindet sich ein Pferd oder zumindest Pferdeäpfel.

Das Zimmer ist sehr rustikal, aber gemütlich. Aber Kaffeemaschine? Kühlschrank? Fehlanzeige. Na ja, die Nacht wird bestimmt nicht warm und wir lassen die Lebensmittel im Auto.

Der Abend war noch jung und wir beschlossen, noch kurz die paar Meilen nach Oxbow Bend zurückzufahren, weil dort Tiersichtungen häufig vorkommen. Ein paar echte Elche, das wäre schon was.

Aber andere Tierchen waren ganz nah. Gerade, als wir aus der Tür traten, wurden wir fast von einer Pferdeherde über den Haufen gerannt. Im Staub der Straße wurden die Tiere durch unsere „Wohnsiedlung“ von einer Weide auf die andere getrieben.

Ein für uns noch nie dagewesener und toller Anblick im Licht der untergehenden Sonne.

Als sich der Staub gelegt hatte, fuhren wir in Richtung Grand Teton NP zurück und fanden am Straßenrand ein schönes Plätzchen, von dem aus wir beide Schleifen der Flussbiegung überblicken konnten.

Da wir noch nicht zu Abend gegessen hatten, machten wir es uns auf der Ladefläche gemütlich und konnten so die gesamte Biegung überblicken.

Viele andere Naturenthusiasten hatten sich mit starken Ferngläsern ausgerüstet und schauten so wie ich angestrengt durch die Linsen.

Einer machte mich darauf aufmerksam, dass in einem etwas entfernteren Baum ein Weißkopfseeadler säße. Ich konnte kaum den Baum, geschweige den Vogel mit bloßem Auge erkennen. Also holte ich mein komplettes Spielzeug raus und mit über 1200 mm Brennweite konnte ich das Tierchen zumindest erkennen.

Das Foto genügt nicht meinen Qualitätsansprüchen und dient nur als Nachweis, dass der Vogel da war.

Auch diverse Elks konnte ich durch die Optik erkennen, aber die Fotos waren nicht die Vergrößerung wert.

Die Sonne verschwand langsam hinter den Bergen und brachte eine einzigartige Stimmung hervor.

Als das Licht endgültig zu schlecht geworden war, machten wir uns vorsichtig auf dem Heimweg (um nicht noch Deer zum Abendessen auf die Haube zu bekommen – wir erinnern uns, es gibt in unserem Zimmer KEINE Kochgelegenheit).

Aber das wurde mehr als wett gemacht durch die Tatsache, dass hier in der Pampa – und das ist wörtlich zu nehmen – das Internet deutlich besser funktionierte als gestern in Pinedale.

Gefahrene Meilen heute: 153

 

 

11.09.2023 – Von Laramie nach Pinedale

Beim gestrigen Walmart-Einkauf hatten wir uns vorsichtshalber noch mit Melatonin-Tabletten eingedeckt. Die schon mitgenommenen Pillen hatten noch nicht geruht, wieder aufzutauchen.

Die erste hatte ich gegen 10 Uhr eingeworfen, um 0 Uhr die zweite. Trotzdem war ich gegen 4 Uhr wieder wach. Irgendwann schleift sich das auch ein.

Heute geht es nach Pinedale in Wyoming. Die Stadt liegt südlich vom Grand Teton Nationalpark, eines unserer Ziele in dieser Gegend. Eine Fahrzeit von insgesamt 5 Stunden liegen vor uns. Zeit genug, uns auch noch in Laramie umzuschauen.

Laramie ist die drittgrößte Stadt in Wyoming mit ca. 31.000 Einwohnern. Ein Indiz dafür, wie bevölkert dieser Staat ist. Unter anderem hat sie Bekanntheit durch die Westernserie „Laramie“ erlangt, in Deutschland lief sie unter „Am Fuß der blauen Berge“ mit Robert Fuller.

Aber auch geschichtlich hat sie einiges zu bieten. Als Teil des Overlandtrails und später als Posten für die Eisenbahn hat sie sich heute zu einem Zentrum für die umliegenden Farmen entwickelt. Aber auch eine Universität nennt sie ihr eigen.

Wir fuhren erstmal etwas unbedarfter nach „Downtown“, immer ein sicherer Posten. Dort sieht sie aus wie viele hübsche Kleinstädte, mit Ziegelbauten

und auch einem Eisenbahndepot und einem wunderschönen Ausstellungsstück.

Als wir ankamen, wurden wir gerade Zeuge einer Zeremonie der örtlichen Feuerwehr. Keine Ahnung, was dort geschah, aber alle waren ganz ernst und feierlich.

Ganz in der Nähe lag das Visitor-Center und wir wollten uns Klarheit darüber verschaffen, welches die beste Strecke nach Pinedale sei.

Zur Wahl stand der direkte Weg über den Interstate 80, langweilig. Oder über die Nordstrecke über die 30 über Medicine Bow. Die junge Dame im Visitor Center kannte sich offensichtlich gut in der Gegend aus und riet uns zur südlichen Strecke, über die 130 durch die Snow Range Area. Da die Nordroute mehr durch Felder und Weiden gehen sollte, entschieden wir uns für die Südroute.

Aber vorher noch ein paar Sehenswürdigkeiten quasi im Vorbeifahren abgrasen (zu mehr reicht die Zeit leider mal wieder nicht):

Das berühmte Wyoming Territorial State Prison liegt auf der einen Seite der Straße,

die Exhaling Dissollution Sculpture schräg gegenüber.

Dann einmal vorbei an der Uni bis zu einem Postoffice. Dort mussten wir noch ein Paket für die Schwester von Karin aufgeben. Und nun direkt zur Tumble weed-Tankstelle (cheapest gas in town, hat uns auch die Lady an der Rezeption verraten, 3,599 USD/Ga) und von da aus kurz auf den Interstate 80 bis zur Ausfahrt 311.

Dort geht es auf die 130 in den Medicin Bow Forest. An mehreren Stellen sichteten wir Pronghorn Antilopen.

Laramie selbst liegt schon auf 2.100 m Höhe und wir schraubten uns auf einer gut befahrbaren, aber gewundenen Straße weiter nach oben.

An einer Picnic Area machten wir Pause und naschten unter anderem von den wilden Himberen. Meine Göttergattin war froh, dass ich ihr beim letzten Costco-Besuch die gefütterte Jacke aufgedrängt hatte. Ich gestehe, ich bin ja selbst hinter einer gefütterten Jeansjacke her, aber mir ist noch nie eine zu einem vernünftigen Preis über den Weg gelaufen.

In großer Höhe sahen wir die schroffen grauen Felsen vor uns, die die Bergseen direkt vor uns einrahmten. Wir befanden uns auf knapp 3.000 m Höhe.

Ein wunderschönes Panorma empfing uns. Der Libby Lake (ob eine Verwandtschaft zur gleichnamigen Milch besteht, wollte er nicht beantworten) ist ein Eldorado für Wanderer, Angler und Camper.

Nach dem Snowy Range Pass (mit Blick auf den Sugarloaf Mountain) ging es wieder abwärts zuerst zum Mirror Lake (leider keine Spiegelung anwesend)

und dann zum Mary Lake. Auch wunderschön. Und spiegelt unaufgefordert zumindest die Wolken.

Im Tal angekommen las die beste Fährtensucherin von allen etwas von einer Hot Spring. Heiße Quelle? Unser Spezialgebiet. Allein in Idaho kennen wir ein gutes halbes Dutzend und zumindest die Füße reinstecken wollten wir schonmal.

Wir waren nicht alleine. Ein paar andere Soaker waren zugegen und ließen es sich in den warmen Tümpeln gut gehen. Wir quatschten ein wenig mit ihnen und setzten uns dann wieder auf die Straße.

Hier standen wir erneut vor der schwierigen Entscheidung: Die Route nördlich des Interstate, ca. 35 Minuten länger, dafür „etwas“ interessanter oder auf dem Interstate direkt durch? Wir entschieden uns für den Interstate und bekamen eine der Annehmlichkeiten von Wyoming zu spüren: An vielen Stellen liegt die Geschwindigkeitsbegrenzung bei sage und schreibe 80 Meilen.

Wir blieben auf dem Interstate bis Rock Springs, wo wir auf die 191 abbogen und noch einmal für unter 4 USD volltankten (3,799 USD/Ga), dafür nur Sprit mit einer Oktanzahl von 85. Mal schauen, wie der Dicke damit klar kommt.

Die Landschaft wurde abwechselungsreicher und wir fuhren mit der Bergkette auf der rechten Seite, bis wir schließlich Pinedale erreichten. Ein hübsches Nest, vergleichbar mit Bishop in Kalifornien, nur kleiner.

Das Hotel ist proppevoll, aber wir haben ein schönes großes Zimmer bekommen.

Zum Abendessen gibt es ein Nudelgericht aus der Mikrowelle, das hatten wir in früheren Urlauben schon getestet und für gut befunden.

Fahrstrecke heute: 351 Meilen.

Morgen geht es über Jackson und den Grand Teton National Park nach Moran.

Internet ist leider (im ganzen Dorf) ziemlich langsam, ich verziehe mich in die Rezeption, um die Bilder hochzuladen. Wie das morgen in Moran aussieht, kann ich noch nicht sagen. Kann durchaus sein, dass ihr einen Tag warten müsst.

 

 

10.09.2023 – Von Denver nach Laramie

Sattelt die Hühner, wir reiten nach Laramie. Diese alte und aus unzähligen Filmen bekannte Westernstadt soll unser heutiges Tagesziel sein. Reine Fahrzeit etwas über 2 Stunden. Aber wir müssen ja noch unsere Vorräte besorgen und die eine oder andere Sehenswürdigkeit besichtigen.

Dank Jetlag war die Nacht (erst) um 4.30 Uhr zu Ende. Und die Melatonin-Tabletten, die wir extra deswegen so eingepackt hatten, dass wir schnell drankommen, hatten sich so gut versteckt, dass wir ganz ohne sie auskommen mussten.

Egal, um 7 Uhr geht es erstmal zum Frühstück. Etwas, auf das man sich zu Anfang immer freut – leckerer Bacon, Rührei etc. – und was mir dann nach 3 Wochen sehr bekannt vorkommt (zum Hals raushängt, wollte ich als Wortwahl vermeiden).

Jedenfalls hatten sie auch Hazelnut Creamer, den bin ich bisher noch nicht Leid geworden. Und was uns auch bekannt vorkam: der berühmte tote Punkt, den man am besten durch Schlaf bekämpft.

Also legten wir uns wieder für ein kleines Nickerchen aufs Ohr, um dann bestens in Form – haha – zuerst unsere Einkäufe zu erledigen und dann die erste – und einzige – Attraktion anzufahren.

Den Walmart brauchen wir zum Start immer, da dort Lebensmittel für die nächsten Tage gebunkert werden können. Bei Costco gibt es Großpackungen, die sich nicht lange genug halten würden, hätten wir sie einmal angebrochen.

Ausserdem Hazelnut Coffee Creamer, Cola-Light, Limonade und diverser anderer Pofel.

Und dann mussten wir zum meinen Leidwesen noch einen weiteren Stop einschieben: Meine geliebte Dufflebag, die ich seit 8 oder 9 Jahren auf Reisen dabei habe, hatte einen nicht reparablen Riss erlitten. Folglich stiefelten wir beim nächsten TJ-Max rein und konnten einen schönen Delsey-Koffer, Gewicht ca. 3,5 kg, erwerben.

Dann alles ab ins Auto und auf zu unserer ersten Attraktion.

Das Red Rock Amphietheater liegt im Westen von Denver. Ich hatte „im Vorübergehen“ ein oder zwei Fotos gesehen und dacht: ganz nett, schauen wir mal vorbei. Als wir dann auf die Red Rock Park Road einbogen, bekamen wir eine andeutungsweise Vorstellung davon, was uns noch bevorstehen könnte. Senkrecht und in Scheiben aufeinandergestapelte rote Felswände säumten den Weg. Immer wieder – wir wissen ja nicht, wie lange wir noch fahren müssen – ein Halt für ein Foto.

Und dann stellten wir uns endgültig auf einen Parkplatz,

noch kostenlos und begannen den Aufstieg auf einem gut ausgebauten Steig, der immer höher führte.

Schließlich standen wir vor der großartigen Kulisse: Die Bergformationen geschickt ausnutzend hatten die Erbauer eine riesige Bühne

und die perfekt in den Hang eingepasste Zuschauertribüne aufgebaut.

Wir stiefelten bis ganz nach oben, dort gibt es auch ein Visitor Center. Und das erfüllte mich erst recht mit Erstaunen. Angefangen von den Beatles waren dort im Endeffekt alle Größen des Musikgeschäftes vertreten. Ich las John Denver (bei dem Namen muss er dabei sein), Santana, Sting und viele andere.

Ein paar andere Tafeln verkündeten, dass diese Location einige Jahre lang – ob es heute noch so ist, ließ sich dort nicht feststellen – die meisten Zuschauer innerhalb eines Jahres bespaßt hatte. Und die Vorbereitungen für das nächste Event waren im vollen Gange. Preise? Hängen vom Künstler ab. Für einen mir unbekannten Künstler waren noch Karten für 39 USD zu erhalten. Für das in Kürze stattfindende Konzert von Sting werden 1129 USD in Reihe 2 aufgerufen.

Da waren die Tickets für die Beatles damals vergleichsweise spottbillig: 6,5 USD musste man für eine Karte auf den Tisch legen.

Aber wir müssen weiter. Auf nach Costco etwas weiter nördlich. Dort mussten zuerst die Probierstände dran glauben und ich füllte den Wagen mit den wirklich wichtigen Gegenständen:

– Vanille-Soja-Milch
– Erdnussriegel
– Baguette
– Artichoken-Jalapeno-Dip
– Großpackung M&M

Und während ich im Schweiße meines Angesichts mühevoll dem immer schwerer werdenden Wagen durch die Gänge bugsierte, flanierte die beste Shopperin von allen ganz gemütlich durch die Textilienabteilung und kam mit einem vollen Arm mit Shirts etc. freudestrahlend auf mich zu, um mir den Wagen noch ein wenig schwerer zu machen.

Aber irgendwann hatte sie auch alle Stände abgegrast. Jetzt noch im Schnellimbiss eine Pizza, ein Chicken Wrap, einen Hotdog und einen Mango Smothie einverleiben und dann dürfen wir uns auf den Weg machen, nachdem wir getankt haben. Sprit kostete übrigens 3,559 USD/Ga.

Überflüssig zu sagen, dass wir mal wieder den Laden vor dem Bankrott gerettet haben.

Mit vollem Tank auf die Piste, zuerst auf den Interstate 25 nach Norden, um dann auf die 287 abzubiegen. Zwischendurch kamen wir in heftige Regenschauer, die dann, als wie die Grenze nach Wyoming überquert hatten, so langsam aufhörten.

Die Sonne tauchte das Land der rollenden Hügel – rolling hills – in zauberhaftes Licht.

Um 18.30 wurden wir sehr freundlich von Brent empfangen, der uns nicht nur alle Restaurants der Stadt auf einmal verkaufen wollte, der uns aber auch ungefragt ein Upgrade auf eine King Suite gegeben hatte. Seine Freundlichkeit kannte fast keine Grenzen mehr, als er auf unserem Meldezettel las, dass wir einen Pickup F150 fahren, aber dazu aus Deutschland kommen. Einwohner aus unserer Heimat sind anscheinend nicht für einen guten Autogeschmack bekannt.

Die Empfehlungen zum Essen schlugen wir in den Wind, wir hatten genug Vorräte gebunkert, das reicht.

Außerdem sind wir kaputt nach 185 gefahrenen Meilen. Auch wenn das Cruisen mit dem Truck noch so erholsam ist, wir brauchen gleich Schlaf.