14.05.2023 – Montezuma Wells, Montezuma Castle

Heute ist Sonntag, chillout-day. Wir ließen es sehr ruhig angehen. Nach dem Frühstück mussten wir uns davon überzeugen, dass das freundlicherweise zur Verfügung gestellte Update-Zimmer (immer noch das gleiche wie in der ersten Nacht) die gleichen Bett-Liege-Qualitäten aufwies wie an den Tagen vorher. War zum Glück so. Und so kamen wir erst am späten Vormittag los. Erstmal zum Walmart, um die Vorräte (Essen und Klamotten) zu ergänzen.

Und dann glänzte uns das Schild einer Autowaschanlage entgegen. Mal schauen, was die gegen den Dreck auf unserem Dusty auszurichten vermag.

Wir warfen 10 USD für die fortgeschrittene Wäsche ein und fuhren mit dem Dicken vorsichtig in die Waschstraße. Schlossen die Fenster und beteten, dass diese Anlage auch Pickups verarbeiten konnte, ohne die Spiegel oder den Lack zu zerkratzen.

Eine bunte Mischung aus vermutlich Reinigungsmitteln wurde über uns gesprüht und dann begann der normale Reinigungsvorgang. Die Antenne wippte wie eine Tanne im Sturm und ich hoffte, dass sie flexibel genug sei, um das zu überstehen. Aber die Konstrukteure von Ford hatten das wohl einkalkuliert und wir kamen unbeschadet wieder raus.

Danach schauten wir uns die Bescherung an: Zu 95% hatte die Anlage ganze Arbeit geleistet, die Frontscheibe war so klar wie zu Beginn unserer Anmietung. Auch die Heckklappe ließ wieder das F150-Zeichen durchscheinen.

Die Ladefläche war eher suboptimal gereinigt, da hatte ich ehrlich gesagt auch nicht mehr erwartet. Aber die Runningsboards, also die Trittbretter, die ich sowieso nicht an meinem Wagen haben möchte, waren fast genauso schmutzig wie vorher. Da müssen wir nochmal mit Spritzdüsen ran.

Jetzt geht es nach Montezuma Wells. Die Temperaturen lagen bereits in den 90igern, also locker über 30°C. Östlich des Interstate 17 liegen die beiden Monumente, beide klein, übersichtlich und sehr schön gelegen.

Bei Montezuma Wells handelt es sich um ein „Sinkhole“, welches unterirdisch aus einer Quelle gespeist wird. Da sich die früheren Bewohner zurückgezogen haben, ist die Quelle ein Paradies für Tiere geworden.

Hat man die Quelle hinter sich gelassen, geht es zwei Dutzend Treppenstufen zum Auslass der Quelle, wo das Wasser in den Verde River fließt. Auch hier haben die früheren Bewohner das angenehm kühle Klima genutzt.

Wir schleppten uns wieder nach oben und nahmen auf dem Weg den einen oder anderen Fotostop vor, denn in der Pflanzen-Foto-Sammlung fehlten noch ein paar Blümchen.

Was uns auf dem Weg ständig begegnet war, das waren die tausende kleinen orangefarbenen Blüten der Desert Globe Mellow. Hier einmal ein Blüten-Meer,

anschließend eine Nahaufnahme.

Noch waren unsere Kräfte nicht ganz aufgebraucht und wir fuhren noch ein paar Meilen weiter südlich, um auch Montezuma Castle einen Besuch abzustatten.

Eigentlich hatten wir vorgehabt, in der schattigen Picnic Area in Gegenwart von vielen Kolibris einen kleinen Snack zu uns zu nehmen, aber diese war aufgrund von Überflutung des Verde River vor 6 Wochen noch gesperrt.

Also begaben wir uns „nur“ auf den Rundgang und bestaunten, wie schon so oft vorher, die Meisterleistung der damaligen Bewohner, die hoch in den Felsen ihre Eigentumswohnungen gebaut hatten. Vermutlich stammten ihre Vorfahren von Schwalben ab, die jetzt noch in den Felsen nisteten.

Schätze, es war eine WEG, eine Wohnungseigentümergemeinschaft, obwohl von einer Verwaltungsfirma nichts herauszufinden war.

Als wir das Monument verlassen hatten, kamen wir auf dem Weg noch an dieser urigen Hütte vorbei:

Eigentlich sollte es noch nach Sedona gehen, aber wir wollten es ja ruhig angehen lassen. Also fuhren wir direkt zum Hotel zurück und ich legte mich eine Runde in den Whirlpool, um die zerschlagenen Knochen ein wenig aufzulockern.

Wieder im Zimmer stellten wir fest, dass gerade NCIS lief. Und das ist doch der perfekte Abschluß für den Tag. Und in den vielen Werbepausen kann ich „eben“ den Bericht schreiben.

13.05.2023 – Jerome, Prescott

Wo fahren wir heute hin?
Ich glaube, Jerome und Prescott sind eine gute Wahl. Jerome liegt als alte Bergbaustatt nur wenige Meilen entfernt von Cottonwood, direkt in den Berg hineingebaut und mit viel alter Bausubstanz.
Vom Bergbau künden zum einen noch der Jerome State Historic Park, in dem man viel über die Historie der Stadt lernen kann. Zum anderen stehen an allen Ecken und Kanten noch diverse Gerätschaften aus der alten Zeit rum.
Heute beherbergt die Stadt ein paar „Hotels“ im alten Stil, ansonsten ist vieles künstlerisch und auf alt angehaucht.
Also genau das, was die Amis lieben.
Nach kurzem Rundgang verließen wir die Stadt in Richtung King Gold Mine,
dort gibt es neben einem Andenkenladen auch die Möglichkeit der kostenpflichtigen Besichtigung der Ghost Town.
Mich interessieren in der Hauptsache die Kolibris, die sich von den Tränken magisch angezogen fühlten.
 
 
Ach ja, wer wissen will, wie Wohnmobile früher aussahen: Hier ist ein Beispiel:
 
Aber wir wollten ja nach Prescott. Hinter der Mine führt eine Straße in die Berge, die unserem Navi nicht so recht gefiel. Ich persönlich war der Meinung, wir wären hierüber schon einmal nach Prescott gefahren, aber was sind schon die Erinnerungen eines alten Mannes? Jedenfalls mausert sich die Straße als halbwegs passable Dirt Road, bis wir zu dem Schild kamen mit der Aufschrift: 7 Meilen einspurige Verkehrsführung. Das hätte uns spätestens zum Umkehren bewegen sollen. Aber wie schlimm kann so eine Straße schon sein, wenn sogar Google Maps sie listet? Wie wir feststellen konnten, war schlimm sehr schlimm. An manchen Stellen hätte es noch nicht einmal High Heels bedurft, um sich die Knöchel zu brechen. Straßenschuhe hätten genügt. Nun gut, unser Dicker hatte ziemlich gutes und grobstolliges Profil auf den Reifen und nahm auch die extremen Stellen mit erwarteter Gutmütigkeit. Zu allem Überfluss fing es dann auch noch an zu tröpfeln. Das hatte aber zumindest den Vorteil, dass wir die Scheibe wieder sauber bekamen. Das war aber auch das einzige, was an dem Wagen sauber wurde.
Nachdem wir die sieben Meilen gut geschüttelt, nicht gerührt hinter uns gebracht hatten, wurde die Strasse besser und breiter.
Dann plötzlich Bewegung auf der Straße. Dass die gelben Doppelstreifen auf Straßenmitte für die Prarie-Dogs und Squirrels reserviert sind, hatten wir inzwischen erfahren. Aber es gab keine gelben Streifen. Was wir zuerst für Kühe gehalten hatten – schließlich sind wir auf der open Range – entpuppte sich als drei Pronghorn-Antilopen, welche sich zuerst von der Straße wegbewegten, um dann neugierig zu schauen, welche Chaoten sich auf diesen Straßen bewegen.
Als dann klar wurde, dass wir uns nicht gegenseitig ins Gehege kommen würden (mir war das schon sehr schnell klar geworden), wendeten sich die beiden Böcke ihrer Lieblingsbeschäftigung zu: Erobere das Weibchen.
Schließlich landeten wir wieder in der Zivilsation und fuhren durch bis Prescott, wo wir einen Gang durch Costco starteten, Vorräte (Essen und Shirts) ergänzten und dann gemütlich den Mittagstisch dort einnahmen, auch um Leute zu gucken.
In der Umgebung von Prescott gibt es die Granite Dells, eine Ansammlung von Granitfelsen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit den Alabama Hills in Kalifornien aufweisen. Dazu gehören auch zwei Seen, der Watson Lake und der Willow Lake. Ersteren kannten wir von diversen Besuchen vorher.
Parken ist dort übrigens am Mittwoch generell kostenlos, heute war Samstag. Wir wollten aber mal was anderes sehen und fuhren zum Willow Lake, wo – Alltrails sei Dank – auch schon ein Wanderpfad ausgewiesen war.
Da er gegenüber von unserem Auto auf dem Parkplatz losging, hätten wir ihn wahrscheinlich ohne die App nie gefunden.
Jedenfalls ging es über die Granitfelsen rauf (schön langsam, ist ja steil) und dann auch wieder runter (schön langsam, ist ja steil).
Zwischendurch immer wieder tolle Blicke auf den See, der Himmel zauberte mit seinen Gewitterwolken eine dramatische Stimmung.
Zurück am Auto kamen uns Menschen in komischen Gewändern mit Blumenkränzen um den Hals entgegen. Ich wäre dort wahrscheinlich gar nicht aufgefallen mit meinem Hawaii-Hemd, höchstens als der bärtige Vetter aus Germany. Es war eine teilweise Hawaiianische Hochzeit, die Eltern der Braut waren extra von den Inseln eingeflogen.
Der Nachmittag war mittlerweile etwas fortgeschritten und wir hatten noch eine Stunde Fahrt vor der Nase nach Hause (und NEIN, wir fahren nicht die gleiche Dirt Road zurück).
Wir entschieden uns für die 89A, den Mingus Mountain Scenic Byway, der schließlich in Jerome endet.
Es ist eine schöne und kurvenreiche Strecke, die unter anderem auch am Mingus Lake vorbeiführt.
In Jerome angekommen, lagen gerade die Felsen von Sedona im schönsten Abendlicht.
Fast bei Dunkelheit fuhren wir dann in Cottonwood ein und Karin musste unbedingt noch ins Home Depot, dort solle es Blumensamen geben. Ich fing derweil schon an, Fotos auszusortieren und diesen Text vorzubereiten.
Alles in allem auch wieder ein aufregender Tag mit viel Neuem.

12.05.2023 – Sedona und Umgebung

Die Nacht war erwartungsgemäß warm gewesen, die Klimaanlage sprang immer wieder zwischendurch an, aber ohne wäre es noch schlimmer gewesen.

Am Morgen konnten wir zumindest die Fenster „aufreissen“, um ein wenig durchzulüften. Es war auch angenehm kühl draußen. Um 6 Uhr machte ich mich erstmal auf den Weg, um mir in der Lobby einen Kaffee zu holen. Unsere Kaffeemaschine (die mit den Kapseln, die ich absolut nicht mag) funktionierte auch nach intensivem Studium eines Youtube-Videos nicht so, wie sie sollte. Und wie kann der Tag sonst vernünftig beginnen?

Die Dusche hatte sich sehr den hiesigen Flüssen angepasst, ich würde es als Regenwasserdusche bezeichnen, nur dass kein Kopf von oben meinen ganzen Astralkörper benetzte (und da hat sie schon was zu tun).

Dafür war das Frühstück gut und ich füllte auch unsere beiden Mugs randvoll. Man weiß ja nie, wann es wieder was gibt.

An der Rezeption begann das Re-Checkin (wir hatten einzelne Tage gebucht) und es gelang mir, die Rezeptionistin meinem Charme erliegen zu lassen und uns die Suite mit Patio zumindest für den nächsten Tag zuzuweisen. Ist doch schonmal was. Ein kleiner Hinweis auf die defekte Kaffeemaschine und schon stiefelte ein Bediensteter los, um diese auszutauschen. Diesmal eine mit Pads. Die kann ich wenigstens bedienen.

Es ist Freitag. Was machen wir in Sedona? Sedona? Richtig, wir wollen ja dort das Umland unsicher machen. Nur können wir uns die dortigen Hotels nicht leisten, ohne einen Kleinkredit aufzunehmen. Und die 25 Minuten Fahrt durch diese wunderschöne Landschaft ertrage ich auch noch mehrmals diese Woche.

Meine Göttergattin hatte als Wanderung (für uns beide kompatibel, hoffentlich) den Soldier Pass Trail rausgesucht. Schwierigkeitsgrad moderat. Das bezog sich aber nur auf den Trail selbst, nicht auf das Finden eines Parkplatzes. Direkt vor dem Trail ein großes Gitter, der Parkplatz war komplett gesperrt. Etwas weiter weg (ca. 1 Meile) gibt es eine andere Parkmöglichkeit, von der aus ein Shuttle-Bus alle halbe Stunde dahin fährt. Auch dieser Platz war logischerweise voll, aber wir fanden in der Nähe einen Parkstreifen, wo wir unseren Dusty abstellen konnten. Am Straßenrand in der Umgegend ansonsten gibt nur Verbotsschilder in Hülle und Fülle, die Anwohner sind es verständlicherweise leid, überall fremde Autos stehen zu sehen und selbst nicht mehr durchzukommen. Und die Abschleppdienste müssen schließlich auch ihr Auskommen haben.

Der Shuttle-Bus war auf 20 Personen ausgelegt und die bestiegen auch den Bus. Kurze Zeit später ließ er uns alle raus und wir durften uns auf den Weg machen.

Da es schon langsam wärmer wurde, ließen wir es gemütlich angehen. Im Endeffekt überholten uns alle, aber das langsame Wandern hat zwei nicht zu vernachlässigende Vorteile: 1. kommt man nicht in die Gefahr, mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt zu werden und 2. sagte schon Konfuzius: Wer langsamer geht, hat länger was von der schönen Landschaft.

Es ging über Stock und Stein und wir konnten uns bei den kurzen Päuschen an der wunderschönen Landschaft ergötzen.

Vorbei an einem Sinking Hole (nicht Singing Hole)

ging es zum nächsten „Naturwunder“. Wir dachten zuerst schon, wir hätten uns verlaufen. Die Seven Sacred Pools sind eigentlich vom Haleakala National Park auf Maui bekannt. Aber warum nicht den Namen klauen?

Dort sahen wir dann auch ein Auto stehen. Eindeutig ein Privatauto, das nicht zu einem Tourveranstalter gehörte. Ich sprach den Fahrer darauf an. Er meinte, man könne für 6 USD einen von 12 Permits bekommen, um mit dem Auto bis hierhin und auch noch weiter zu fahren. Und wir laufen…

Jedenfalls hatten wir uns jetzt auf diese Art der Fortbewegung festgelegt und stapften unermüdlich weiter.

Agaven blühten hier (sie hatten die Saguaros abgelöst) und bildeten einen reizvollen Vordergrund zum Grün des Dschungels, dem Rot der Felsen und dem blauen Himmel.

Der Weg, der sich mehr oder weniger in der Waagerechten entlang gezogen hatte, wurde an einer Weggabelung steiler.

Nach rechts ging es zu einem Stichweg zu einer Cave. Hoch im Berg und auch kein Rundweg zum Pass beschlossen wir, dass wir das in unserem Alter nicht mehr benötigen. Die Höhlungen und Arches waren auch vom normalen Weg mit bloßem Auge gut zu erkennen.

Dann wurde es richtig steil und wir kraxelten stellenweise über die rohen Felswände nach oben.

Da man dabei sowieso besser zwischendurch eine Pause einlegt, nutzte ich die Gelegenheit, mein Makroobjektiv aufzusetzen und quasi als Entschuldigung hier und da die Mini-Blüten abzulichten, die immer wieder am Wegesrand standen.

Endlich hatten wir das steilste Stück hinter uns gelassen und ich erwartete, von einem Pass aus in beide Seiten einen tollen Blick nach unten zu bekommen. Leider weit gefehlt.

Aber einen super Anblick hatte ich doch:

Dann ging es wieder nach unten. Irgendwie ist es doch leichter, sich nicht bergauf quälen zu müssen (warum machen wir das bloß?).

Jetzt offerierten sich die schönen Aussichten, die wir mangels Konzentration auf den Weg nach oben nicht so recht hatten wahrnehmen können.

Wir liefen auch über die Jeep-Strecke zurück, um zu sehen, was wir denn da verpasst hätten. Und ich muss sagen, es wäre nicht unmöglich, aber schon ein wenig anspruchsvoll gewesen, mit unserem Dicken diesen Weg zu fahren.

Als wir auf dem Parkplatz ankamen, waren wir mächtig froh und meine Göttergattin hätte ich noch nicht mal mit einem 100$-Gutschein für Ross locken können, so fertig war sie. Gut, dass wir so einen schönen Wagen haben. Und der möchte natürlich ab und zu betankt werden. Auf dem Hinweg war mir eine Tankstelle in Sedona aufgefallen, wo der Sprit 3,739 USD/Ga kostete. das kann doch nicht sein. Der billigste Kraftstoff der ganzen Reise bisher, und das in so einem Touristennest. Unser Dicker machte die Fahrt ins Hotel zur Erholung und so schafften wir zumindest den Weg ins Hotelzimmer zu Fuß, wo wir erstmal duschten und dann das Bett auf Tauglichkeit testeten.

 

11.05.2023 – von Payson nach Clarkdale

Die Nacht in Payson war angenehm kühl, das werden wir vermutlich in den nächsten Nächten vermissen. Unser Ziel für heute Abend ist Clarkdale/Cottonwood im Verde Valley in der Nähe von Sedona.

Da die reine Fahrzeit dahin gerade mal 1,5 Stunden beträgt, beschließen wir, die Wanderung von gestern umzufunktionieren, um doch zum Wasserfall zu kommen. Eine leichte Übung. Die Anfahrt wird so beschrieben, dass eine Straße mit einer Schranke der Anfahrtweg ist. Davor darf man nicht parken, aber ein paar Meter weiter kann man wie beschrieben problemlos den Wagen abstellen.

Es geht auf einer Schotterstraße leichtfüßig geradeaus, ca. ein Kilometer, dann biegt gut erkennbar rechts ein Trampelpfad ab, der zum Ellison Creek führt.

Nach kurzer Zeit gelangt man zu den Felsen, die vom Fluss im Laufe der Jahrtausende glatt gewaschen wurden.

Und dann stehen wir vor dem Wasserfall. Eine Gruppe junger Männer befindet sich gerade im Aufbruch, so dass wir diese Naturschönheit ganz für uns alleine haben.

Und genießen können. Wir geben uns der Natur und dem Rauschen des Wassers hin, bis der Tatendrang unvermeidlich wieder zuschlägt.

Ich muss nach oben und die Szenerie von dort mit der Kamera einfangen.

Aber danach geht es wieder auf den Rückweg. Aus der gegenüberliegenden Felswand kommt ein weiterer Creek hinzu, auch nicht von schlechten Eltern.

Wieder am Auto zurück, versuchen wir noch, diesen Wasserfall aus der Nähe zu sehen. Aber dazu hätten wir direkt an der doch relativ steilen Felswand runterklettern müssen. Das wäre nicht das Problem gewesen. Aber wer trägt uns wieder rauf? Das obige Foto lässt sich auch nur schwer toppen.

Eigentlich hätten wir auf der gleichen Straße direkt nach Payson zurück und von dort aus weiter zum Tonto Natural Bridges Statepark fahren können. Aber meine liebe Göttergattin, die mir ansonsten alle „interessanten“ Fahrtrouten und Trails mit der Stimme der Vernunft ausredet, wollte diesmal unbedingt die Straße weiterfahren. Irgendwo stoßen wir dann schon auf eine Route unterhalb des Mogollon Rim. Der Rim hat uns schon viele Jahre fasziniert, auch deshalb, weil viele Western-Romane von Zane Grey hier spielen. Wir hatten sogar vor einigen Jahren mal von Flagstaff aus eine Tour entlang des Rim gefahren und uns immer gefragt, wie es unterhalb aussehe. Nun jetzt wissen wir es: ca. 10 Meilen Dirt Road, teilweise mit üblen Waschbrett-Strecken, die dann in einem Riesenstau auf der 260 endete, weil dort ca. 1 Meile vor dem Abzweig zur Tonto Bridge die Teeroberfläche erneuert wurde. Dort standen wir dann gefühlt eine halbe Stunde, bis wir auf die Nebenstraße einbogen und die drei Meilen zum Statepark runterrollten.

Dort durften wir (weil wir keinen Arizona State Park Pass besitzen) pro Person 7 USD auf den Tisch legen und uns dann nach Herzenslust umtun.

Am Ende des Parkplatzes geht es zuerst zu einem Übersichtspunkt,

wo das Wasser wie aus hängenden Gärten das Tal unten bewässert.

Über einige viele Stufen geht es nach unten (auch da müssen wir wieder rauf, ob mich jemand trägt?) und dann steht man auf einer Balustrade und schaut staunend in die Riesenhöhle, das Riesenloch im Felsen.

OK, manche bezeichnen es als Brücke.

Wie auch immer, man kann aufgrund des nicht allzuhohen Wasserstandes hineingehen.

Und wie wir auf der hauseigenen Karte sehen konnten, auch hindurch. Denn entlang des Flusses führt ein Weg (na gut, dass ist zart übertrieben, markierte Wegstrecke trifft es besser), der hinterher wieder auf dem Parkplatz endet.

Den wollte ich unbedingt gehen. Aber da war ich in unserer Zweiergruppe nur mit 50 % dabei. Der Weg war nicht unbedingt als einfach markiert, aber jetzt war ich schon über den Fluss rüber. Also verständigte ich mich mit meiner Göttergattin per Handzeichen, dass wir für eine kurze Zeit getrennte Wege gehen und machte mich auf die Socken.

Es ging wirklich heftig in die Felsen, von Weg keine Spur, nur die gelben Pfeile zeigten mir, dass ich mich noch nicht verlaufen hatte. Und die entgegenkommenden Wanderer, die mir Mut zusprachen: Dahinten geht es wieder rauf.

Und dann durfte ich ein letztes Mal über den Fluss (übrigens immer trockenen Fußes) und erklomm mit letzter Kraft die Höhe, um dort mit Sauerstoffzelt und einem Hektoliter Wasser begrüßt zu werden.

Jetzt noch ein letzter „Job“, bevor es wieder in den Stau und nach Clarkdale geht: Am Besucherzentrum waren uns schon damals die vielen Kolibritränken aufgefallen, die von den winzigen Tierchen gerne besucht wurden. Also setzten wir uns gemütlich auf eine Bank, ein langes Tele an der Kamera und übten uns in Erholung und Geduld.

Und die wurde auch belohnt.

Natürlich gab es auch Wildblumen am Wegesrand.

Für den weiteren Weg machten wir uns auf eine längere Wartezeit gefasst, Futterkiste für ein Picknick nach vorne geräumt, waren wir dann doch erstaunt, dass von den ganzen Straßenbaufahrzeugen kein einziges mehr zu sehen war. Fertig. So schnell kann das in den USA gehen.

Auf der 260 fuhren wir noch durch Strawberry, ein süßes Nest mit vermutlich vielen Ferienhäusern.

Die weitere Fahrt über die 260 verlief reibungslos mit schönen Ausblicken,

so dass wir gegen 16.30 Uhr in unserem Hotel eintrudelten.

Am Morgen hatten wir schon angerufen, um ein kostenloses Upgrade (nach Möglichkeit für die nächsten 5 Nächte) zu bekommen. Dort wurde uns gesagt, die Upgrades wären alle vergeben, sie würden uns auf die Warteliste setzen. Warteliste? Wir haben vor mehr als einem halben Jahr gebucht und da schon um ein Upgrade gebeten. Wieso sind wir da nicht wenigstens auf Platz 1? Aber der Mitarbeiter (Doug) hatte Verständnis für uns und gab uns zumindest für heute eine Suite mit Patio (kleiner Innenhof, 2×2 Meter). Der Innenhof ist zwar schön, aber war zumindest für mich aus zwei Gründen nicht nutzbar: 1. war das Wlan dort sehr schlecht, und 2. die Mückenplage sehr gut. Also wieder rein und Klimaanlage an.

Mal sehen, was uns der morgige Tag beschert.

10.05.2023 – von Tucson nach Payson

Nachdem wir uns planungstechnisch so wahnsinnig mit Ruhm bekleckert hatten, galt es heute, diese Scharte auszuwetzen. Für heute steht als Hotel das BW-Hotel in Payson. Und wir werden alles dransetzen, dort auch hinzukommen.

Für das Navi gibt es mehrere Möglichkeiten: Einmal westlich über den Interstate 10 so weit wie möglich nach Norden und dann auf der 87 nach Payson. Oder die Ostroute, ginge tatsächlich über Globe, aber das wollten wir jetzt auch nicht mehr.

Wir wählten die mittlere Route, die 77 von Tucson aus über Oracle nach Nordenführt. Vorher noch bei Costco den Tank füllen, die Kleiderabteilung etwas erleichtern und auch ein paar Baguettes einpacken.

Die Strecke ist „eigentlich“ eintönig, wären da nicht die Kakteen und gelb leuchtenden Büsche, die sich so herrlich gegen den blauen Himmel abheben. Die Saguaro Kakteen sind fast alle in Blüte, ein Schauspiel, an das ich mich die letzten 36 Jahre so nicht erinnern kann.

Wir fahren an Apache Junction vorbei, bis wir auf dem Weg nach Norden den Salt River beim Pebble Beach kreuzen.

Welch ungewohnter Anblick, natürlich fließendes Wasser in der Wüste. Das haben sich viele andere auch gesagt, weshalb sie wohlorganisiert via Tubing den Fluss runtertreiben.

Wir fahren noch ein Stück weiter nördlich, bis wir einen Abzweig zum Saguaro Lake sehen. Kam mir bekannt vor, hier waren wir schonmal.

Und richtig, an einem schattigen Picknick-Platz hatten wir früher schon eine Pause eingelegt.

Es geht auf dem North Bush Highway weiter, bis wir auf die 87 stoßen, der wir dann bis Payson folgen.

Hier ist es landschaftlich deutlich abwechselungsreicher, es macht Spaß, die Berge rauf- und runterzudüsen.

Im Hotel checken wir ein und lassen uns bgzl. einer Abendwanderung beraten. Aber die Tipps sind mehr oder weniger nichts sagend, also bemühen wir unsere eigenen Quellen. Und heraus kommt der Waterwheel Falls Trail.

Im nördlichen Payson verlassen wir die Hauptstraße nach rechts auf die Houston Mesa Road, der wir ca. 6-7 Meilen folgen. Schilder, die auf den Kauf des Tonto-Passes dringend hinweisen, ignorieren wir geflissentlich. Denn wir haben uns kürzlich im Saguaro NP schon mit dem sg. Interagency Pass eingedeckt. Dieser eröffnet für ein Jahr nicht nur den Eintritt in alle Nationalparks, -monumente und sonstiges „national“. Es werden auch alle möglichen Feriengebiete, hier der Tonto-Rim, aber auch die Sedona-Gegend davon abgedeckt. Nicht eingeschlossen sind State Parks und Regional Parks.

Der Weg vom Parkplatz aus fängt schön unter Sycamoren an, immer am Bach entlang. Sorry, es ist der East Verde River. Eine herrliche Umgebung, es ist auch nicht zu heiß.

Langsam kommen die ersten Felsen in Sicht, die Schuhe haben einen super Grip, als wären sie mit den Steinen verwachsen.

Kleinere Fälle machen das Laufen und die Verschnaufpausen abwechselungsreich.

So einen schönen Trail hatten wir schon seit langem nicht mehr.

Dann zeigte uns die Alltrails-App (ja, sie funktionierte ausnahmsweise mal und stimmte mit unseren Vorstellungen überein), dass wir nach rechts Richtung Osten abbiegen sollten.

Aber da befand sich ein Übergang über den Fluss, der sich gerade mit dem Elison Creek vereinigte. Und leider war dieser Übergang weder mit den Knöcheln meiner Göttergattin noch mit meiner Fotoausrüstung kompatibel.

Kein Problem, wir haben bis hierhin auch schon eine wunderschöne Landschaft gesehen, gehen wir einfach wieder zurück.

Auf dem Rückweg auch gerne wieder Stopps a) wegen der wunderschönen Flora

und b) auch wegen der vielen Eidechsen, die uns immer wieder zwischen den Füßen umherhuschten.

Auf jeden Fall ein toller Weg.

Und morgen gehen wir die Falls einfach von einer anderen Seite an. Genaueres Studium der Karten zeigt, dass man quasi von oben und ohne sich die Füße nass zu machen, wahrscheinlich auch die Fälle und auch die Elison Cascades erreichen kann.