Nachdem wir trotz unserer Befürchtungen auf eine unruhige Nacht gut geschlafen hatten – der Bus mit den Kids war schon relativ früh weg, genehmigten wir uns ein ausgedehntes Frühstück (zwischendurch musste nebenan eine Waschmaschine laufen).
Neben uns – direkt am Fenster – hatte sich ein riesiger Schmetterling verflogen.

Er hatte sich zwischen Mückengitter und Scheibe für die Nacht eingenistet und fand jetzt nicht mehr den Weg raus. Aber ein freundlicher Hausangestellter kam von außen, nahm das Mückengitter ab und das schöne Tier konnte in die Freiheit flattern.

Hier ein paar Fotos unserer King Suite mit Balkon.

Ich würde mir zuhause eine Wohnung vermutlich nie so einrichten, vor allem nicht das Waschbecken, aber hier passt es hin, hier fühlt man sich wohl.

Heute geht es, wie die Überschrift schon sagt, zum Pecos National Historical Park. Dieser liegt ca. 30 Meilen südöstlich von Santa Fe und gehört zu den kleinen Schätzchen, die die Nationalparkverwaltung bereit hält.
Das Visitor Center selbst ist in einem schönen Adobe-Haus untergebracht.

Wir wurden gefragt, ob wir uns einen kurzen Film anschauen wollten, sie würden ihn für uns nochmal starten (so ist das in den kleinen „Monumenten“). Der „Kinoraum“ war wie ein kleines Amphitheater aufgebaut, liebevoll und hübsch.
Wir erfuhren, dass diese Siedlung am Pecos eine lange und wechselvolle Geschichte mit Ureinwohnern, christlichen Geistlichen, Spaniern und anderen feindlich gesonnenen Stämmen hatte.

Bis zu 2000 Menschen lebten hier im Tal des Rio Pecos, auf einer Anhöhe, so dass man liebsame und auch unliebsame Besucher schon frühzeitig erkennen konnte. Wir befinden uns auf ungefähr 2.100 m Höhe, der Rundgang zeigt, in welch toller Umgebung die damaligen Einwohner gelebt haben. Ob sie das auch so empfunden haben, sei dahingestellt.
Das Leben in einer Kiva jedenfalls wäre auf die Dauer nichts für mich (dazu ist mein Fotorucksack einfach zu sperrig).

Auf dem Weg sollte man den Blick nicht nur in die Ferne schweifen lassen. Direkt vor einem Kakteenfrüchte und

vor uns auf dem Weg schlängelte sich eine Bullsnake in die Büsche.

Wie schon erzählt, hatte sich die Kirche auch angrenzend an die Pueblobauten breit gemacht. Und mit breit meine ich auch die Wände. Bestimmt 1,5 m waren diese dick.

Auf dem Foto unten kann man auch erkennen, welche Ausmaße das Gebäude in seiner ersten Version gehabt haben muss. Imposant.

Nach diesem äußerst informativen Besuch ging es zurück durch die Stadt Pecos. Etwas verschlafen, keine eigene Ampel. Wir fragen uns immer, wovon leben die Leute?

Der KFZ-Mechaniker sieht jedenfalls nicht so aus, als hätte er viel zu tun. Ob er auch schon Elektroautos kann?
Ein paar Meilen aus der Stadt raus fahren wir an einem Benediktiner-Kloster vorbei, bei Google wird es „Our Lady of Guadalupe Abbey“ genannt, aber ich bin mir sicher, dass draußen was anderes stand. Jedenfalls ein hochmodernes Gebäude, natürlich im Adobe-Stil.
Dazu gehörig ein eigener See, der Monastery Lake, von den Amerikanern logischerweise zum Fischen verwendet.

Wieder ein paar Meilen weiter auf der 63 ein Schild zu einer Picnic Area. Hatten wir das Gefühl des Hungers vor drei Minuten noch vehement von uns gewiesen, überfiel es uns beim Anblick der Picnic Tables mit Macht.

Es ist wildromantisch hier. Der Pecos fließt vorbei, die Sonne scheint in die gelben Blätter, das Leben ist schön.
Wir beschließen, die 63 weiter Richtung Norden zu fahren. Es fühlt sich an, wie in Idaho an einem Fluss entlang zu fahren.

Wir kommen an romantischen Meadows vorbei,

an alten historischen Brücken, bis wir schließlich am nördlichsten Punkt dieser Fahrt landen, Cowles. Auf der Landkarte aus Papier ist das noch als kleinstmögliche Stadt eingezeichnet, aber auch das ist schon die Übertreibung des Jahrhunderts.
Obwohl wir zwischendurch immer wieder mal an Häusern, möglicherweise sogar Feriensiedlungen im Blockhausstil vorbeigekommen sind.
Jedenfalls sagt Google Maps, dass wir uns bei den Cowles Ponds befinden, zwei Teiche, extra zum Angeln.

Genug von der Gegend gesehen. Nicht, dass wir nicht noch hätten weiterfahren können, aber wir müssen die gleiche Strecke zurück und in den Abendstunden kommt gerne mal Wild auf die Straße, um zu schauen, welche idiotischen Touristen gerade hier herfahren.

Dass hier mal mehr losgewesen sein muss, zeigt diese historische Zapfsäule aus der Zeit Alexander des Großen.

Wieder in der Zivilisation zurück sehe ich rechter Hand das Schild eines Ross-Ladens und mache unvorsichtigerweise den Vorschlag, ob meine Göttergattin den Store nicht um einige Kleidungsstücke erleichtern möchte. Die Antwort könnt ihr euch vorstellen. Zum Glück gab es direkt nebenan ein Best Buy, welcher mich mit schnellem Internet für die Wartezeit versorgte.
Und es waren nur noch 0.3 Meilen bis zum Hotel. Hätte ich das gewusst, wäre ich schon vorgefahren und hätte mich aufs Sofa gelegt.
So kamen wir in der Abendsonne an und das Hotel strahlte im schönsten Licht.

Auf dem Zimmer nutzten wir noch den Balkon für das Abendessen und ließen den Abend ausklingen.





















Auf dem Weg nach Norden hatte ich den San Lorenzo Canyon gefunden, ein toller Canyon mit hoffentlich super Ausblicken. Google Maps hatte diesen auch gelistet und wir konnten eine Wegbeschreibung aufs Handy laden. Abfahrt vom I25 bei Ausfahrt 163, danach ein paar Meilen nach Westen.



























Und dann um die Ecke gebogen sah ich – in einer Seitenstraße – das Palace Hotel.
Direkt hingwetzt und einen Blick durch die Fenster geworfen, die Eingangstür war aus welchen Gründen auch immer geschlossen.
Das war das Etablissement, wo wir 1990 genächtigt hatten. Alles noch so, wie es damals aussah. Richtig schön.
Dann ging es durch die Oldtown. Leider sind auch hier viele Geschäfte geschlossen, einige scheinen den ganzen Trödel dieser Geschäfte aufgekauft zu haben und verkaufen ihn jetzt als „historic“.

Also machten wir uns schnurstracks auf den Weg, zuerst am Fuße des Canyons entlang, zu beiden Seiten die senkrechten Felswände im Blick.


Wir trafen noch auf ein Pärchen aus New York, sie mit leichten Tretern und er mit Badelatschen angetan. Wir rieten ihnen, sich langsam auf den Rückweg zu machen, denn sie hatten die andere Richtung genommen und den längeren Weg noch vor der Nase.
Nachdem wir mutig die Leiter abgestiegen waren (ja, das Höhentraining macht sich bei der besten Kletterin von allen doch bemerkbar), ging der Abstieg schnell vonstatten und wir erreichten kurz vor 16 Uhr die Station. Meldeten uns brav zurück und quatschen noch ein wenig mit den Leutchen. Das Eingangstor war mittlerweile geschlossen worden und ich bin gespannt, ob wirklich jemand losgegangen ist, um das Pärchen aufzusammeln. Hoffentlich ist ihnen nichts passiert. Hier einen Rettungswagen herzubeordern, kostet halt locker 1,5 Stunden.

