Wir starten heute den dritten Versuch, den Fundy National Park zu erobern und der Länge und Breite nach zu durchforsten.
Vor uns liegt die übliche Fahrtstrecke von ca. einer Stunde an der Küste der Bay of Fundy entlang. Aber vorher versuchen wir, die Tidal Bore gegen 9 Uhr noch einmal zu erwischen. Leider habe ich Schusselchen mein Sweatshirt im Hotel vergessen und die Minuten fehlten uns dann leider zum pünktlichen Eintreffen. Aber wenn wir schon in Downtown stehen, können wir auch versuchen, Hertz zu erreichen. Hatte ich noch gar nicht davon erzählt? Gestern kam an einer Baustellenampel der Fahrer des hinter uns fahrenden Autos zu uns und meinte, bei uns würde etwas unter dem Boden raushängen. Ich hatte schon den Verdacht, wir hätten ein Reh oder zumindest einen Waschbären oder ein Skunk (aber das hätten wir gerochen) mitgenommen. Zum Glück war das nicht der Fall. Es handelte sich um die Plastikabdeckung des Getriebes, wo eine Schraube ausgerissen war. Ich befragte am Abend sofort das Schwarmwissen eines F150-Forums, wo man mir prompt die englische Bezeichnung rüberreichte.
Heute morgen also riefen wir am Flughafen in Moncton an und fragten nach, ob sie einen Ersatz für uns hätten. Glück gehabt: Ab Mittag steht einer zur Verfügung. Den holen wir uns dann auf dem Rückweg ab.
Jetzt geht es aber zum dritten Mal auf die 114. Großer Unterschied zu gestern und vorgestern: Die Wolkendecke riss auf und zuweilen kam richtig schön die Sonne durch und ließ die Bäume im schönsten Licht erstrahlen.
Da wir es nicht eilig hatten, konnten wir ganz in Ruhe auch mal den einen oder anderen Stop machen, um verschiedene Dinge abzulichten. Da wären zum einen diese merkwürdigen Boxen, deren Sinn sich uns bisher nicht erschlossen hat:
Sollte jemand wissen, wofür die achteckige Kiste da ist, bitte melden.
Und es gibt natürlich die vielen hübschen Häuser. Da gibt es ja durchaus Unterschiede:
Die gut renovierten und offensichtlich auch bewohnten.
Die nicht mehr bewohnten, aber noch brauchbaren Häuser.
Und die „haunted houses“, die für einen Gruselfilm taugen oder am besten abgerissen werden sollten.
Wo wir gerade beim Gruseln sind: Auf der Strecke bereitet man sich intensiv auf Halloween vor:
In Alma war ein Garten richtig schön geschmückt.
Die Boote sehen immer so aus.
Aber jetzt geht es endlich in den Fundy NP. Der Park ist nicht das, was wir von amerikanischen Parks her kennen: Rudimentäre Versorgung mit Wasser, Straßen und Wanderwegen. Hier gibt es einen riesigen Strauss von Aktivitäten, zu denen Wandern als eine der einfacheren gehört.
Wir beschlossen, einen der Wasserfälle zu besuchen und machten uns auf den Weg zu den Dickson Falls.
Vom Trailhead aus hat man auch einen schönen Überblick über die Bucht.
Und auch hier erschlagen einen die Bäume mit Farben.
Weiter geht es zum Wolfe Point über eine schön angemalte Covered Bridge
bis zum Herring Beach. Erinnerungen an Hawaii poppten auf. Wären da nicht die deutlich kühleren Temperaturen gewesen.
Auf dem Rückweg machten wir am Visitor-Center Halt zum Zwecke der Nahrungsaufnahme.
Dort hatte man – wie an vielen Stellen – diese roten Stühle aufgestellt, die bequemer sind, als es die Form vermuten lässt.
Jedenfalls genossen wir eine kurze Mittagspause dort bei einem wunderschönen Ausblick, um uns anschließend auf den Weg zurück nach Moncton zu machen.
Ach ja, zwischendurch hatte mein Handy seinen Geist aufgegeben. Hat den Sturz von der Ladekante in die Ladefläche nicht so gut verkraftet. Werde bis zum Ende des Urlaubs weder über Whatsapp oder Telefon erreichbar sein.
Wir verließen den Park diesmal in nördlicher Richtung und machten noch einen letzten Fotostop am Bennet Lake.
Ins Navi gaben wir direkt Costco ein, da wir den Wagen ja vollgetankt abliefern mussten. Von dort aus zum Flughafen, wo ein schöner F150 in braun metallic für uns bereit stand. Leider ist der Tank deutlich kleiner und unser Aktionsradius verringert sich von ca. 1200 km auf etwas über 800. Egal.
Wir fahren jetzt ins Hotel, machen uns ein Tässchen Kaffee und Kakao und entspannen den Rest des Tages. Morgen geht es nach Chetikamp und damit nach Cape Breton Island.

Das Meereswasser strömte einfach so flussaufwärts und drängte das Flusswasser zurück. Reversing River.
Der Fluss war anschließend gut gefüllt. Da hatten wir genau den richtigen Zeitpunkt erwischt.

und eines vom Dorfrestaurant.
Jetzt können wir zum Hotel zurückfahren. Aber da gab es doch noch einen tollen Aussichtspunkt: Cape Enrage (als meine Göttergattin mir den Namen zum ersten Mal mitteilte zur Eingabe ins Navi, hieß es bei mir Cape in rage. Hat Google natürlich nicht gefunden…)
Auf dem Rückweg als Beispiel mal eines der hübschen Häuser, die auf der Straße am Wegesrand stehen. Die allermeisten sehr gepflegt, manche schon in Sachen Halloween eingerüstet. Man hat den Eindruck, als würden sich die Menschen hier wohlfühlen.
Wieder im Hotel gab es eine Salatbowl, die wir gestern bei Costco erstanden hatten und dann eine kurze Siesta.
Und weil es so schön ist, eines von einer Skulptur direkt nebenan.
Übrigens: Die Videos stammen beide aus dem Händy meiner Göttergattin.
Doch zuerst mussten wir dringend tanken. Auch ein 136-Liter-Tank ist irgendwann leer. Und Sprit bekommt man nirgends billiger als bei Costco. In diesem Fall waren das lockere 7 Cent/Liter zu normalen Tankstellen. Kleiner Haken: Bei Costco braucht man mindestens eine Kundenkarte. Die ist ein Jahr gültig und muss dann kostenpflichtig erneuert werden. Wer die Nachrichten bzgl. Covid 19 aufmerksam verfolgt hat, wird mitbekommen haben, dass wir im letzten Jahr keine Chance hatten, unsere US-Karte zu erneuern, warum auch?
Und wir haben eine Menge dazugelernt.
Man geht an der Schranke vorbei und läuft die ca. 1,2 km zu Fuß.
Dann standen wir an einer Rampe, die zum Strand runterführte. Das Wasser schwappte nahe an die „Flowerpot“-Rocks heran, ein Zustand, der nicht allzulange andauern sollte. Denn Tidenhübe von 12 Metern (in Buchstaben ZWÖLF) sind hier nicht selten. Wir konnten fast darauf warten, dass sich das Wasser von den Felsen zurückzog. Mal konnte man über felsige Abschnitte weiterklettern, mal über Seetang. Letzteres ließ ich aber nach einem zarten Versuch sein, da es doch recht rutschig war.
Als der Weg dann endgültig zu Ende war (Wasser zu hoch), kehrten wir um. Entgegenkommende Wanderer informierten uns darüber, dass man auch oben entlang an diversen Aussichtspunkten einen guten Blick auf die Blumentöpfe hätte.
Los geht es. Durch lichten Wald kamen wir an einigen Punkten vorbei, unter anderem an einer Treppe, die zur Küste führte. Logischerweise war diese gesperrt…
Als wir dann zurück am Anfangspunkt angelangt waren, stellten wir fest, dass sich das Wasser – vor Schreck über unseren Anblick? – noch weiter zurückgezogen hatte. Also die ganze Strecke nochmal laufen und diesmal noch ein Stück weiter.
Zwischen diesen Fotos ca. 2 Stunden.
Ach ja, ich machte noch das, was ich in jedem Urlaub einmal hinbekomme: Richtig gut einsauen. Ich hatte eine Stelle erwischt, die weniger festen Untergrund aufwies. Ja, und das ist das Resultat:
Am Auto zurück machten wir erstmal eine kurze Mittagspause und vernichteten einen Teil der mitgebrachten Snacks.
Und dann sollte es EIGENTLICH weiter Richtung Westen gehen. Aber da es zart vor sich hin nieselte, überfiel uns plötzlich eine große Unlust und wir drehten einfach um und fuhren ins Hotel zurück. Genauso EIGENTLICH war eine ausführliche Pause eingeplant, um danach noch Costco leerzukaufen. Aber da dieser am Samstag schon um 18 Uhr schloss, machten wir uns zeitig auf den Weg, um das Angebot zu checken.
Was diese Brücke so besonders macht, ist die Tatsache, dass es sich um die längste „covered bridge“ handelt mit einer Länge von etwas über 390 m. Man kam darauf, die Brücken mit einem Häubchen zu versehen, um sie haltbarer zu machen.
Normalerweise haben Brücken dieser Bauart eine Lebensdauer von ca. 20 Jahren, bis die Elemente an ihnen zerstörend genagt haben. Mit dem Dach können sie ein Alter von 100 Jahren erreichen.
Normalerweise schlagen die Bäume ja im Mai aus, aber in diesem Fall fühlte man sich von den bunten Blättern geradezu erschlagen. Gelb, verschiedene Töne von rot, dazwischen das nüchterne grün der Nadelbäume.
Genüßlich fuhren wir durch die Landschaft, an hübschen Wohnhäusern vorbei, allerdings ohne einer Menschenseele zu begegnen. Wo sind die alle? Gut, in der kanadischen Weite kann man sich aus dem Weg gehen, aber so gut?
Eines der hübschesten „Seebäder“ in der Gegend.
Wir machten auch einen kleinen Stadtbummel – hier wuchsen auch wieder Menschen, allerdings schon seit laaanger Zeit, ein Rentnerparadies.
Meine Göttergattin meinte ganz trocken, es würde sie nicht stören, wenn hier keine Touristen wären. Ladies and Gentlemen, merkt es euch.
Natürlich ließen wir uns diese Gelegenheit nicht entgehen. Scheibenwischer vorher kontrollieren – falls das Wasser unvorhergesehen und schnell kommen sollte – und ab auf den glitschigen Kies. Es war im Endeffekt weniger aufregend als gedacht und festgefahren haben wir uns auch nicht.
Von hier hätten wir jetzt eigentlich direkt nach Moncton durchfahren können. Aber es war noch früh und noch haben wir Hummeln im Hintern.
Die beste Inselhopperin von allen schwärmte mir von von dem wunderschönen Deer Island vor. Diese ist allerdings nur über eine (kostenlose) Fähre zu erreichen. Dort angekommen, umrundeten wir die Insel einmal – und es sah ehrlich gesagt nicht viel anders aus als auf dem Festland. Man merkt auch, dass viele Menschen vom Meer leben. Hummerfang ist groß in Mode.
Im Nachgang hatte ich den Verdacht, dass mich meine Beifahrerin nur wegen der Fährfahrt auf die Insel verschleppt hat. Was sie natürlich vehement bestritt. Auf dem Rückweg zum Anleger dachte ich mir, wir schalten bei Google Maps „Fähren vermeiden“ ein schauen, was er dann macht. Lässt uns das Programm bis zum leeren Tank um die Insel fahren?
Jedenfalls kann unser Truck auch auf dem Wasser fahren, wie das nächste Bild zeigt:
Jetzt machen wir uns aber wirklich auf den Weg zum Hotel. Auf dem Highway durch bunte Wälder kamen wir auch an Saint John vorbei. Gab es da nicht eine Touristenattraktion namens Reversing Falls? Genau. Und weil mittlerweile die Sonne rausgekommen war, machten wir auch einen Abstecher dorthin.
Als wir dort ankamen, war nicht viel davon zu sehen, aber wir genossen trotzdem den Ausblick und das schöne Wetter.
Dann mal ab auf die Straße. Ca. 600 km liegen vor uns. Das Tagesziel heute ist Grand Falls in New Brunswick – also Neu Braunschweig. Oder wie die Einwohner aus der Provinz Quebec es sagen: Nouveau Brunswick.
An einem Rastplatz machten wir dann Fahrerwechsel, damit meine Göttergattin auch mal in den Genuss des Fahrens kam.
Die Strecke führte uns vorbei an Quebec. Dies ließen wir links liegen, a) weil uns die Zeit fehlte, b) weil wir auf dem Rückweg sowieso eine Nacht dort eingeplant hatten und c) weil ich so schnell wie möglich aus dem Französisch sprechenden Teil raus wollte. Nicht, dass ich mit der Sprache nicht klar gekommen wäre. Aber während eines AMERIKA-Urlaubes brauche ich mich nicht auch noch mit dieser Sprache herumschlagen. War damals schon froh, als ich in der Schule Französisch als schriftliches Fach abwählen konnte. Die ganzen Accents sprechen fiel mir leichter als sie an der richtigen Stelle zu schreiben.
Von Quebec geht es weiter nach Norden, immer auf der 20 bis Riverière du loup (die Essener werden es kennen, bei uns firmiert es frei übersetzt unter Wolfsbachtal).
Aber damit wir wenigstens etwas Bewegung bekamen, fuhren wir noch zu einem der örtlichen Parks, dem Chute du Rivière du Loup. Schöne Wasserfälle – noch besser, wenn es geregnet hat – luden zum Wandern ein.
Das bunte Herbstlaub, hier auch als foilage bekannt, hatte uns schon auf der ganzen Fahrt begleitet.
Jetzt noch ca. 2 Stunden fahren und wir sind in Grand Falls. Als wir die Grenze nach New Brunswick überquert hatten – wie offensichtlich viele Elche vor uns,
ging bei Karin eine Mail ein mit dem Ergebnis des PCR-Tests vom Flughafen in Montreal. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Wäre der Test positiv ausgefallen, hätten wir die nächsten zwei Wochen bei Wasser und Pizza in einem Hotelzimmer ausharren dürfen. Wonnige Aussichten…
Auch die Information, dass zu Hochzeiten (also nicht zwischen zwei Menschen) 9/10 der Wassermassen der Niagarafälle über die Klippen stürzen, trug dazu bei.
Wir suchten uns verschiedene Stellen für Fotos raus und kehrten dann gut gelaunt und hungrig in unser Hotelzimmer zurück.