Unser letzter Urlaubstag bricht an. Wir müssen zurück nach Los Angeles. Gerade hatten wir uns an die Temperaturen gewöhnt und wir wissen noch nicht, was uns in LA erwartet. Noch kurz bei Costco vollgetankt und los geht es auf den Interstate 10. Allerdings nicht direkt durch. Der Ranger im Joshua Tree National Park hatte uns empfohlen, im Morongo State Reserve vorbeizufahren, dort gäbe es viele Kolibris. Diesen Ort erreicht man, indem man von Interstate abbiegt und auf der 62 ca. 11 Meilen nach Norden fährt. Dort saß vor seinem Wohnwagen der Hüter der Vögel. Mehrere Kolibri-Tränken und auch andere Vogelfutterstationen waren aufgestellt.
Und die gefiederten Freunde bedienten sich reichlich.
Einer kam gerade vom Baumarkt und hatte Nestausstattung im Schnabel.
Aber auch andere Vögel waren zu sehen.
Was wir nicht wussten, war, dass diese Gegend schon als National Monument deklariert worden war.
Auf dem Weg begegneten wir Leuten, die uns darauf hinwiesen, dass Eulen in einem Baum nisteten. Hatten wir noch nie gesehen. Schnurstracks hingefahren und nach oben geschaut zwecks Suche. Aber erst auf dem Rückweg entdeckten wir sie. Zuerst ein Elternteil
und dann drei Jungtiere. Zwei davon straften uns mit Nichtbeachtung,
aber Nummer drei äugte misstrauisch auf uns herunter. Ob er/sie überlegte, ob wir als Nahrung geeignet wären?
Weiter ging es durch die Hügel in Richtung LA.
Die Dunstglocke war schon 100 km weit in diese Gegend getrieben.
In LA erwartete uns der übliche Verkehr, obwohl wir relativ wenig im Stau standen.
Bevor wir den Wagen abgaben, noch ein kurzer Abstecher nach Venice
mit den knallbunten Jacarandas
und dann mussten wir uns von diesem wunderschönen Schlitten trennen.
Wie man erkennen kann, haben wir in den vier Wochen etwas über 7.500 km gefahren und kamen auf einen Durchschnittsverbrauch von 10.8 l/100km.
Vom Hotel sollte uns ein Shuttlebus nach Anruf innerhalb von 20-25 Minuten abholen. Aber es dauerte mehr als eine Stunde, bis dieser endlich auf dem Hertz-Gelände auftauchte und uns innerhalb von drei Minuten zum Hotel brachte. Wir haben uns beinahe den Allerwertesten abgefroren.
In der Zwischenzeit genug Gelegenheit zum Plane-Spotting. Man hatte das Gefühl, diese am Bauch kitzeln zu können.
Hoffentlich wird die Nacht einigermaßen ruhig. In diesem Hotel haben wir schon schlimme Erfahrungen mit den Nachbarn gemacht und auch heute sind nebenan vermutlich keine 80-jährigen Rentner.

Die Straße trägt auch den Namen Pines to Palmes Highway. Und als wir oben waren, erkannten wir auch, warum. Die Landschaft hatte sich total gewandelt, es wurde grüner, Ranches reihten sich aneinander und die Bäume und Büsche zeigten ein sattes Grün.
Als wir ein Schild mit der Aufschrift „Hemet Lake“ sahen, bogen wir direkt ab und wurden nicht enttäuscht. Erwartungsvoll wurden wir von einem fetten Squirrel begrüßt, mussten seine Bettelversuche aber abschlägig bescheiden.
Der See selbst dürfte zur Hochsaison gut bevölkert sein, heute war der Campground so gut wie leer. Unverständlich, ist es doch Freitag und die Temperatur war mit 22 °C lockere 10-13 Grad kühler als im Tal.
Aber ein anderer Zaungast hatte sich noch eingefunden. Eine Schlange (genauen Namen kenne ich nicht, aber es war keine Klapperschlange) bewegte sich gemächlich über den Boden. Merkwürdig an ihrer Fortbewegungsweise fand ich, dass es nicht das übliche „Schlängeln“ war. Sie ruckte mit dem Kopf immer nach vorne und zog dann den Körper nach. Ich benutzte meine 500mm-Linse, um in sicherem Abstand zu bleiben.
Man weiß ja nie, ob die Viecher schon gefrühstückt haben.
Und als wir dann sahen, wie nahe das Feuer vor dem Städtchen Idyllwild Halt gemacht hatte, konnte ich mir ungefähr vorstellen, wie plümerant den Bewohnern dieses 3870 Seelen-Dorfes zumute gewesen sein muss. Und wie dankbar sie den Firefightern waren, die wahrscheinlich Schlimmeres verhütet haben.
Es ging auf der gleichen Strecke zurück. Und in der anderen Richtung sieht die Gegend ja gleich soooo anders aus…
Zurück in Palm Desert machten wir Halt beim Panda Express und legten uns anschließend ein Stündchen aufs Ohr, um danach mit frischen Kräften ein Packorgie zu beginnen. Diese ist JETZT schon nötig, damit wir wissen, was wir (bzw. die beste Shopperin von allen) morgen im Laufe des Tages noch alles einkaufen dürfen.
Nach einem guten Frühstück – built to order – wurde ich von der besten Vogelkundlerin von allen ganz aufgeregt herbeigerufen: Direkt vor dem Hotelzimmer meiner Mutter befand sich in Augenhöhe ein Kolibri-Nest.
Kurze Zeit später kehrte ein Elternteil zurück und hockte sich vorsichtig auf das gute Stück.
Jedem sein Job. Meiner war es, Urlaub zu machen. Wir fuhren durch das sonnige Palm Desert
auf dem Highway hin zum südlichen Eingang des Parks und von dort zum Cottonwood Visitor Center.
Inmitten dieser Kakteen lief uns plötzlich eine Eidechse über den Weg, wie wir sie noch nicht gesehen hatten. Neugierig und kein bisschen ängstlich posierte sie, wohl wissend, einen guten Fotografen vor der Nase zu haben (über die Rechte ihrer Fotos müssen wir uns noch einigen).
Dann an einigen Stellen größere Anhäufungen kleiner Chollas. Ratten benutzen sie, um ihre Löcher vor Feinden zu schützen. Sehen putzig aus, diese Knäul, aber anfassen würde ich sie nicht.
So plötzlich, wie die Chollas angefangen hatten, hörten sie auch wieder auf. Es ging in die Felsenregionen, die noch hübscher aussehen, wenn sie mit einem JT im Vordergrund geschmückt werden.
Einer der bekanntesten Felsen ist der Skull Rock. Selbst ich konnte ohne Nachhilfe erkennen, was er darstellen sollte.
Von dort aus liefen wir einen kleineren Trail. Die Temperatur hatte sich auf angenehme 28 °C eingependelt, war gut zu laufen.
Immer wieder faszinierend fand ich die runden Knubbel, die aus fast allen JTs zu Hauf wuchsen, vermutlich Samenkapseln.
Auf dem Weg war uns immer wieder so rotes Zeugs aufgefallen, was wir nicht einordnen konnten. Wir hatten schon Umweltsünder im Verdacht, aber eine andere Wanderin klärte uns auf: Das sei eine Art Pilz oder Parasit.
Und dann zum ersten Mal eine Blüte eines Cholla Kaktus. Entweder waren sie bisher zu weit weg, oder die Sonne schien nicht hinein oder oder oder.
Fast zum Schluss machten wir noch einen Abstecher zum Keys View. Hier hatten wir vor zwei Jahren mal einen fantastischen Sonnenuntergang erlebt. Aber der Dunst ließ mich befürchten, dass es heute nichts damit werden würde.
Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße eine Allee von JTs
und direkt vor uns hatte sich eine Klapperschlange zum Zwecke der Verdauung (man sah deutlich ihren dicken Bauch) auf die Straße gelegt.
Vorsichtig umfuhren wir sie und düsten durch bis zum Cholla Garden. Karin machte es sich auf der Ladefläche gemütlich
und ich spazierte zum Sonnenuntergang durch die Chollas, um verschiedene Blickwinkel für den Sonnenuntergang einzufangen.
Als die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, fuhren wir gen Süden. Ein Blick in den Rückspiegel zeigte allerdings, dass es doch nicht so schnell gehen würde mit dem Heimkommen.
Bevor es losgeht, müssen wir noch diverse Läden abklappern. Hatte ich schon erwähnt, dass in einem fünf-Meilen Radius Costco, Ross, Best Buy, Walmart und The Walking Company liegen? Und schräg gegenüber sogar ein Factory Outlet Center? Und dass die beste Shopperin von allen nicht mal einen Blick in diese Richtung verschwendet hat? Mal den Puls fühlen und Blutdruck messen, ob alles in Ordnung ist.
Als nächstes war dann Ross dran. Auch hier übte sie sich in vornehmer Zurückhaltung, nur ich wurde fündig. Ein Ladekabel für mein Handy hatte den Geist aufgegeben und ich erstand ein herrliches quietschrosa USB-> Micro-USB-Kabel (es gab zu Hauf Kabel für Apple-Geräte und das war das einzige für mein Gerät).
Zuerst hielt ich es für eine Variante von Google Street View. Eine Nachfrage bei Google zeigte, dass es ein Projekt mit selbstfahrenden Autos ist, welches zuerst in Phoenix ausgerollt wird. Und Parkplätze, um die zusteigenden Passagiere aufzunehmen, gibt es auch schon.
Ab auf die Piste. 4,5 Stunden wurden von Google Maps anvisiert. Als wir durch Phoenix durch waren, wurde die Landschaft erwartungsgemäß langweiliger
und wir machten nur zwei kurze Pausen an Restareas, zur Befüllung und Entleerung unserer Körper.
Und, oh Wunder, auch hier gibt es sogar Parkplätze für behinderte Truckfahrer.
Einzige Abwechselung auf dem weiteren Weg war eine Windhose, die sich auf dem Mittelstreifen entlangzog.
Und – was hier öfter vorkommt – Umzug auf amerikanisch. There is a house on the road.
Als wir in Palm Desert einliefen, war das Thermometer mittlerweile auf 36 °C geklettert. Schon ein Unterschied zu den Temperaturen am Gefrierpunkt in Flagstaff.

Direkt danach ging es in den Elm Canyon, der vom Queen Creek durchflossen wird. Eine wunderschöne malerische Schlucht, ähnlich wie die Virgin River Gorge.
Fährt man auf der anderen Seite wieder den Berg runter, durchquert man aktives Kupferminengebiet.
Zum Vergleich unser gewiss nicht kleiner Truck im Vergleich zu einem Mini-Muldenkipper, der in einer etwas größeren Mulde stand.
Direkt daneben liegt dann Globe, ein altes Städchen, welches unter anderem durch den Tourismus eine Wiederbelebung erfährt.
Theoretisch hätten wir dann direkt zum Tonto National Monument durchfahren können, entschieden uns aber, noch bis zum Salt River Canyon zu fahren, einer Schlucht, nicht ganz so groß wie der Grand-Bruder, aber auch nicht wenig imposant.
Auf dem Rückweg ein kurzer Abstecher nach McDonalds (das erste Fast-Food in diesem Urlaub, Panda Express zählt nicht).
Auf dem Weg nach oben Kakteen und es gelang uns endlich, mal unser Verlobungsfoto nachzustellen. Übrigens ist das eins meiner neuen Hawaii-Hemden.
Die Aussicht aus der Ruine auf den Roosevelt Lake ist unbezahlbar – für alles andere gibt es ja bekanntlich VISA.
Möchte nur wissen, wie die Urbewohner es mit der Hitze gehalten haben.
Hatten meiner Mutter wohlweislich verschwiegen, dass es „ein paar wenige Meilen“ ein wenig hoppelig wird. Sonst wäre sie wohl an der Brücke geblieben. So konnte sie aber doch einen großen Teil der Fahrt genießen und kam ob der tollen Landschaft aus dem Staunen nicht mehr raus.
Kurz vor Tortilla Flat
begann dann wieder der Asphalt, die Silhouetten tauchen auf,
die Sonne war hinter den Bergen verschwunden und die Wolken schenkten uns ein tolles Abendrot.
Kurz hinter dem Lost Dutchman Statepark wurde ich durch den blöden Abendhimmel immer wieder genötigt, anzuhalten und die Kakteen zu fotografieren.