10.06.2018 – Cottonwood Canyon Road

Wir haben es gestern Abend noch geschafft: Um 21.30 Uhr sind wir in mehr oder weniger fittem Zustand aufgebrochen, um zur Natural Bridge im Bryce Canyon zu fahren. Wir kamen auch pünktlich dort an, alle Geräte mit frischen Batterien versehen. Und logischerweise stand auf dem Parkplatz schon ein Auto, vor der Brüstung ein Stativ mit Kamera drauf und Mensch dahinter. Wir kamen ins Gespräch (wie das bei Nikonianern schnell der Fall ist, er hatte eine D5 im Einsatz). Er war in New York lebender Deutscher, der sich auf Sternenfotografie spezialisiert hatte. So konnen wir ein wenig fachsimpeln, bis die Milchstraße aufgegangen war. Und mit zwei Beleuchtungsquellen (er hatte auch ein LED-Panel dabei) konnten wir die Arch (oder Bridge, was sie genau ist, muss sie für sich entscheiden) schön beleuchten.

Am nächsten Morgen sollte es eigentlich früh rausgehen, aber irgendwie waren wir doch erst um 11 Uhr auf der Straße.

So sieht es übrigens aus, wenn ich rückwärts fahren würde. Funktioniert nur, wenn die Ladeklappe oben ist, wie ich mal feststellen musste.

Es ging durch Tropic hindurch nach Cannonville auf die Cottonwood Canyon Road, die uns schon bis zum Kodachrome Basin State Park begleitet hatte. Diesmal ohne Kühe auf der Straße. Was kein Wunder war, das Besucherzentrum in Cannonville war auch geschlossen, alle sind in der Kirche. Der erste Abzweig führte uns durch spektakuläres Gelände

zur Grosvenor Arch, einem imposanten „Bauwerk“, diesmal ganz in weiß gehalten. Ob man auch nach oben klettern konnte, haben wir nicht versucht.

Weiter ging es in die Cottonwood Narrows (bei Einheimischen und Ortskundigen auch Candyland genannt).

Dort wählten wir einen der ungünstigsten Abstiege

und befanden uns in einem Canyon, der nach Norden und Süden begehbar war. Wir entschieden uns (auf Ratschlag vom Besucherzentrum) für die Nordtour und waren überrascht, wie schön dieser Canyon aussah.

Als es irgendwann „weiter“ wurde, kehrten wir um und begingen die Schlucht in Richtung Süden.

Als auch hier nichts neues mehr geboten wurde, kehrten wir zu unserem Auto zurück. Was nun? Auf jeden Fall stand noch der Bryce Canyon mit all seinen Aussichtspunkten auf unserer ToDo-Liste, aber dazu war es noch ein wenig zu früh. Karin hatte auf ihrer Bucket-List noch die Bull Valley Gorge stehen. Diese Schlucht geht steil in die Tiefe, man kann den Grund nicht sehen. Früher wurden die beiden Seiten der Schlucht dazu verwendet, um Kühe und Bullen voneinander zu trennen. Ein beherzter Reiter konnte diese aber in einem Sprung überwinden. Traurige Berühmtheit erlangte diese Gorge auch dadurch, dass 1954 ein Auto von der Brücke abstürzte und steckenblieb. Die Insassen wurden geborgen, das Auto steckt jetzt immer noch an dieser Stelle und diente als Untergrund für eine neue Brücke.

Nachdem der Wissensdurst meiner Göttergattin derart gestillt war und sie auch keine Anzeichen zeigte, sich per Seil in die Schlucht herabzulassen und dort zu wandern, machten wir uns auf den Rückweg, um beim Willis Creek noch einen kurzen Stop einzulegen. Ein Gewirr aus wunderbar kleinen „Slot-Canyons“, sogar mit fließend kalt Wasser hielt uns dann auch noch ein Viertelstündchen auf.

Auf dem Weg über die Cottonwood Canyon Road in Richtung Highway 12 kamen uns die gleichen Landschaften, die wir bisher nur im Rückspiegel betrachten konnten, entgegen. Fantastisch, diese Kombination aus verschiedenfarbigen Felsen, dem Grün der Blätter, dazu der stahlblaue Himmel.

In Cannonville lag diese Zapfsäule schön im Sonnenlicht im Gegensatz zu heute morgen.

Zurück im Bryce wollte ich im Licht der schrägstehenden Sonnen noch die „Natural Bridge“ ablichten, ohne sie mit meinem LED Panel anleuchten zu müssen.

Erledigt. Jetzt noch die einzelnen Punkte bis zum Ende abfahren. Als da wären:

Agua Canyon (sieht das wie ein Kopf aus oder nicht?)

Ponderosa Canyon

Black Birch Canyon

Rainbow Point und

Yovimpa Point

Danach ging es auf dem direkten Weg ins Hotel zurück, selbst eine Pronghorn-Antilope ließen wir links am Wege stehen. Eben was zu Essen machen, duschen und vielleicht nochmal zur Milchstraße rausfahren.

09.06.2018 – Lower Calf Creek Falls

Kleiner Nachtrag von gestern Abend: Wir konnten uns tatsächlich aufraffen und fuhren um 22 Uhr nochmal in den Park, um die Milchstraße zu suchen (und bei erfolgreichem Auffinden auch zu fotografieren). Üblicherweise ist es im Park ziemlich dunkel (was für unser Vorhaben vorteilhaft ist), was es aber schwer macht, die Viewpoints aus dem Fenster zu sehen. Der Farview-Point erschien uns geeignet – liegt direkt an der Straße, man kommt ohne großes Laufen aus – und wir konnten schon mit bloßem Auge die Milch-Straße erkennen, die sich wie ein Regenbogen über dem Horizont wölbte. Also für die D4, die ich extra für diesen Zweck mitgenommen hatte, kein Problem. Jetzt nur noch einen Strahler rausholen und die Felsen anleuchten. Aber wo sind denn die Batterien? In Werden, aber zum Glück kann man diese Dinger (am nächsten Tag) hier kaufen. So wurden es „nur“ ein paar normale Milchstraßenfotos.

Jetzt schnell zurück und ab in die Falle.

Wer sich ein wenig im Süden von Utah auskennt, weiß, dass die Lower Calf Creek Falls im Grand Staircase Escalante National Monument (GSENM) liegen. Das GSENM gehört zu den wildesten, schönsten und schützenswertesten Gegenden in Utah. 1996 wurde es von Bill Clinton zum National Monument deklariert, ein Vorgang, der aufgrund von wirtschaftlichen Interessen in Gefahr ist.

Auf dem Weg dahin ein kurzer Abstecher in Escalante zum Visitor Center.

Die Calf Creek Recreation Area liegt ca. 63 Meilen wunderschöner Straße

vom Bryce Canyon entfernt. Einer der Gründe, warum wir auch diesen Spot immer nur sehnsüchtig im Vorbeifahren beäugt hatten. Ein anderer ist der, dass der Parkplatz immer sehr schnell vollläuft. So auch in diesem Fall. Kreatives Parken war am Straßenrand angesagt. Wir hatten gerade das Ende des Parkplatzes erreicht, als direkt vor uns ein Platz freiwurde. Schnell zurücklaufen (JETZT habe ich noch die Kraft) und den Wagen dort einparken.

Geschafft. Vom Ende des Parkplatzes (den wir übrigens mit unserem Nationalparkpass verwenden durften) ging es los. Angekündigt war der Weg mit 6 Meilen Roundtrip, also schaltete ich meine Runtastic-App ein, um so besser über unseren Fortschritt informiert zu werden. Schon auf dem Parkplatz wurde überall darauf hingewiesen, dass man genügend Getränke mitnehmen sollte. Also packte ich zusätzlich zu meinem Stativ (werdet noch sehen, wozu ich es brauche) zwei Literflaschen mit Wasser in meine Fototasche, die so langsam das Gewicht eines Kleinkindes übersteigen dürfte.

Der Weg war sehr abwechselungsreich

und führte teils über Felsen, aber leider zu großen Teilen über tiefen Sand. Und wer schonmal 5 Kilometer durch Dühnen gelaufen ist, weiß, wovon ich rede.

Hilfreich sind entweder Schneeschuhe (Gruß an Frank) oder Schuhgröße 56 mindestens. Ich hatte beides nicht. Stellenweise wurde uns Schatten in Form eines kleinen Eichenwäldchens geboten,

aber stellenweise ging es brutal durch die Sonne. Und an der Stelle fing ich an, Wegklassifikationen zu erstellen. Von leicht nach schwierig, hier ist sie:

  • Felsen im Schatten
  • Felsen in der Sonne
  • Sand im Schatten
  • Sand in der Sonne
  • Sand in der Sonne, bergauf
  • Sand in der Sonne, bergauf und ohne Wind

Gefühlt hatten wir alles, am meisten letzteres. Ich war immer wieder froh, dass mein Handy mir jeden Kilometer ansagte. Die Landschaft selbst ist, wie der Amerikaner treffend sagen würde: Awesome, also gigantometrisch, elefantös, einfach schön. Wilde Felsformationen im Nahbereich, turmhohe Felswände ohne Chance, sie zu ersteigen,

dazwischen immer mal wieder die eine oder andere Blüte.

Und endlich hörten wir lautes Kindergeschrei. Entweder gibt es hier ein McDonalds Playplace oder wir haben den Fall erreicht. Wir standen im Schatten von Bäumen vor dem ca. 40m hohen Fall, der sich in einen kleinen See ergoss.

In der letzten Ecke schaute noch die Sonne rein. Und jetzt kam endlich mein Stativ zur Geltung. Den Wasserfall in den verschiedensten Brennweiten und mit den verschiedensten Belichtungszeiten ablichten zu können, war die Mühe und die Schlepperei wert. Seht selbst.

Für einen Speziallfall musste ich mir was Besonderes einfallen lassen: Da ich bei den meisten Fotos mit Graufilter gearbeitet habe, dieser aber nicht auf das Fisheye passte, musste ich mir manuell helfen.

Und während ich im Schweiße meiner Füße vor mich hinschuftete, könnte sich die beste Ehefrau von allen ein Päuschen nach dem anderen.

So kann man den Wasserfall übrigens auch genießen.

Aber zurück mussten wir (leider) auch noch. Und selbst die wunderschöne Landschaft konnte nicht über die Sand-Trails hinwegtäuschen, die das Gehen immer schwerer machten.

Zum Glück war der Weg stellenweise sehr eng, so dass wir gerne an einem „Turnout“ warteten, um entgegenkommende Wanderer vorbeizulassen. Der Trick besteht dann darin, das ganze so aussehen zu lassen, als ob man aus Höflichkeit wartet und nicht, um wieder Sauerstoff in die Lungen zu pumpen.

Endlich waren wir nur noch ca. einen Kilometer vom Auto entfernt.

Die Not-Wasserflaschen, die in gewissen Abstände am Wegesrand standen, hatten wir nicht gebraucht.

Am Auto erstmal das Wasser eingießen (neben den vier Litern, die wir auf dem Trip gemeinsam vernichtet hatten) und den Sand aus den Socken ausgießen – ca. 2 Esslöffel pro Schuh. Wie der da immer reinkommt und warum er nicht von selbst wieder rausgeht, ist mir ein Rätsel.

Jetzt waren wir schon auf der 12 und inmitten des GSENM. Wir fuhren die Strecke in Richtung Boulder noch ein wenig weiter. Nur ein paar Meilen später führt die Straße über eine Ridge, die einen fantastischen Ausblick über diese grandiose Landschaft bietet. Klein und mickrig unter uns der Wanderweg, der mit dem Auto so viel schneller und leichter zurückzulegen war.

Im Hotel erstmal duschen und die Mikrowelle an die Arbeit schicken. Dann gleich in der Lobby die Fotos hochladen.

Und wenn es wieder was von der Milchstraße zu sehen gibt, erfahrt ihr es morgen.

08.06.2018 – Mossy Cave Trail – Kodachrome Basin State Park

Nachdem wir uns gestern bis an die Grenzen der Belastbarkeit (oder vielleicht sogar darüber hinaus) getrieben hatten, sollte es heute mal wieder ein wenig ruhiger dahergehen. Ganz in der Nähe des Bryce Canyon liegt der Kodachrome Basin State Park. Auf dem Weg dahin, kurz nach Befahren des Highway 12, kommt aber vorher noch ein süßer kleiner Trail zur Mossy Cave. Den Parkplatz dazu sieht man immer, wenn man aus Osten zum Bryce Canyon fährt, hält aber (genau wie im Red Canyon) nicht an. Schließlich will man ja zur Hauptattraktion. Diesmal beschlossen wir, den 1-Meile Roundtrip zu machen. Ich dachte mir, da sind meine Wander-Flip-Flops genau das richtige.

Es ging (wie beim Bryce üblich) in eine wunderschöne Felsenlandschaft. Besonderheit diesmal war ein Bach/Fluss, der auch noch reichlich Wasser führte.

Und auch ein Wasserfall wurde angepriesen. Über sieben Brücken mussten wir nicht gehen, zwei reichten, dann standen wir vor diesem hübschen Wasserfall. Logisch, dass wir dort nicht alleine waren.

Ich versuchte mich neben den üblichen Fotos auch mal mit der einen oder anderen Langzeitbelichtung (wozu hatte ich sonst das Stativ mitgeschleppt?).

Und krabbelte auch mal hinter den Fall, um die Wucht und die Nässe zu spüren (ohne dabei die Kamera zu fluten).

Logisch, dass die furchtloseste Wanderin von allen auch mal hinter dem Fall durchkriechen musste. Steht ihr aber gut.

Danach ging es noch zur namensgebenden Attraktion des Weges, der Mossy  Cave. Also einer Höhle, in der Moos wächst. Selbiges ist wohl normalerweise keine solche Aufmerksamkeit wert, aber hier ist das wohl so selten, dass man den Trail danach benamst hat.

Wieder zurück auf der 12 durchquerten wir als erstes das Nest Tropic. Dies ist in zweierlei Hinsicht erwähnenswert: Zum ersten haben die Bewohner von Tropic das auf Höhe des Bryce Canyon liegende Reservoir mit einem Kanal mit dem von uns so bestaunten Bach verbunden, so dass sie Wasser für ihre Felder hatten. Zweitens haben wir dort mal in einem der Hotels (wenn nicht sogar dem einzigen) übernachtet. Und zwar mit zwei Kindern in einem der engsten und teuersten Ställe dieser Reise. Aber in der Nähe vom Bryce kann man sich alles erlauben. Kleiner Tip übrigens zum Tanken. Zur Zeit kostet die Gallone 3,399 USD in Bryce Canyon City. In den benachbarten Dörfern Tropic und Cannonville möchte man sich nicht lumpen lassen und hat die Preise auf das gleiche Niveau angehoben. Etwas weiter auf der 12, in Escalante, waren es beim letzten Mal gleich 10 Cent/Ga weniger. Falls ihr also aus östlicher Richtung nach Bryce fahrt, dort ist die letzte Gelegenheit, ETWAS preiswerter zu tanken.

Aber kommen wir zu unserer Tour zurück. In Cannonville biegt nach Süden (also rechts) die Cottonwood Canyon Road ab (nicht verwechseln mit der Cottonwood Road, die etwas früher in die Wildnis führt). Von hier aus sind es noch ca. 9 Meilen, bis man auf einen Viehumtrieb stößt (ist uns bisher jedes Mal passiert) und dann nach links zum Kodachrome Basin State Park abbiegt.

Den Park, der seinen Namen wegen der prächtigen Farben wirklich vom Filmehersteller abgestaubt hat, hatten wir in früheren Jahren schon ein- oder zweimal besucht. Allerdings mehr auf der „Durchreise“, d.h. Straße entlangfahren, an jedem Viewpoint ein Foto machen und schnell wieder weg. Diesmal hatten wir mehr Zeit mitgebracht und beschlossen, zuerst mal den Grand Parade Trail zu laufen mit 1,5 Meilen. Besonders reizvoll die angebotenen Boxcanyons.

Ich hatte immer noch meine Wander-Flip-Flops an, die mir beim Durchwaten des Baches gute Dienste geleistet hatten. Der Schuss ging aber diesmal nach hinten los. Der heiße Sand, der vorne reinschwappte, rutschte zwar fast genauso schnell wieder raus, aber heiße Füße brauchte ich nicht unbedingt.

Trotzdem war der Trail absolut sehenswert und auch die Canyons waren hübsch.

Was den Park auszeichnet, sind neben den intensiven Farben auch die Pinnacles, die sehr unvermittelt und plötzlich in der Landschaft stehen.

Über Sinn und Zweck möchte ich jetzt und hier keine Diskussion anfangen.

Am Wagen angekommen wurden erstmal die obligatorischen Wasserflaschen umgegossen (Flasche -> Hals) und dann überlegten wir uns, ob noch Kräfte genug vorhanden seien, um noch den Angel’s Palace Trail zu wandern. Dieser sollte sich a) durch einen ziemlich plötzlichen Anstieg um ca. 50 Meter und b) sehr viele schöne Fotopunkte auszeichnen. Aber erstmal feste Schuhe anziehen, sonst läuft mir meine Göttergattin noch davon.

Das mit dem Aufstieg war nicht gelogen und wir taten uns schon ein wenig schwer. Die letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen. Dafür wurden wir aber durch ein paar sehr schöne Aussichtspunkte belohnt und Karin konnte mal wieder ihre Schwindelfreiheit / Ridgefestigkeit unter Beweis bzw. auf den Prüfstand stellen.

Danach hatten wir vom Wandern fürs Erste genug und beschlossen, kurz zum Chimney Rock zu fahren.

Außer, dass der Felsen quasi ein Alleinstellungsmerkmal in der Landschaft hat und vor 100 Jahren schon genauso in die Gegend schaute, ließ sich nicht viel darüber sagen.

Die Sonne stand langsam etwas tiefer und wir beschlossen, die Stichstraße des Parks noch einmal bis zum Ende durchzufahren. Vielleicht sieht ja der eine oder andere Fels oder Piddel jetzt viiiiel besser aus. Tat es auch.

Jetzt aber zurück auf die Straße.

Diesmal ohne Kuhherde, dafür aber mit einer farbenprächtigen Felswand, die in der Abendsonne leuchtete.

Genauso wie der Oldtimer in Cannonville.

Eigentlich hätten wir um 18 Uhr zuhause sein können, würde uns die Gegend nicht dauernd Steine in den Weg legen. In Form von farbenprächtigem Sandstein, der von der Sonne angeleuchtet wird. Klar, dass wir noch einen ganz klitzekleinen Stop am Mossy Cave Trail einlegten, um ein paar Sandsteinbrocken abzulichten.

Jetzt geht es aber wirklich los und wir sind (und da sind wir stolz auf uns) ohne Pause zum Hotel durchgefahren. Am Morgen hatten wir final aus unserem Hotelzimmer in der Ponderosa Lodge ausgecheckt, um heute Abend im Haupthaus mit direkter Nähe zum Pool ein Zimmer mit eigenem Whirlpool zu bekommen.

Das mit den Nähe zum Pool stimmte, aber das Internet war in diesem Zimmer soweit entfernt, dass ich zu sämtlichen Arbeiten mit dem Rechner in die Lobby gehen musste, um eine einigermaßen stabile Verbindung zu bekommen. Aber vorher eine Runde entspannen im „großen“ Whirlpool, bevor es an diesen Bericht geht.

Alles in allem ein erlebnisreicher und schöner Tag

07.06.2018 – Bryce Canyon – Fairyland Trail

Als erstes stand heute die Reparatur unseres Wagens auf dem Plan. Pünktlich zur Öffnungszeit um 8 Uhr fanden wir uns bei der Werkstatt ein, erklärten, welche Probleme vorlagen und konnektierten ihn mit dem Hertz-Service, damit dieser die Zahlungsmodalitäten erledigte.

Die Reparatur und der Ölwechsel sollten ca. 45 Minuten dauern. Da wir einfach nur über die Straße mussten zu unserem Hotel, frühstückten wir erstmal gemütlich (der Drehteller der Mikrowelle funktionierte immer noch nicht, dafür schlugen Funken aus der Elektronik und es roch verbrannt). Schnell bei der Rezeption anrufen. Die versprachen uns, eine neue Mikrowelle vorbeizubringen. Schauen wir heute abend mal.

Wer uns kennt, weiß, dass wir den Bryce Canyon nicht einmal, nicht zwei  Mal, nicht drei Mal, sondern schon wesentlich öfter besucht haben. Zuerst als kinderloses Ehepaar, dann mit meinen Eltern (bei denen er einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen hat) und anschließend mit den Kids. Und man sollte meinen, wenn man einmal einen der Piddel (im Fachjargon Hoodoo genannt) gesehen und vielleicht sogar fotografiert hat, dann hat man alle gesehen und weitergehende Fotografiererei erübrigt sich. Aber vorsichtshalber und mehr aus Gewohnheit hatte ich die Ausrüstung doch mal mitgenommen. Fühlt sich sonst so leer und leicht am Rücken an und dann würde ich meiner Mithikerin vielleicht noch weglaufen.

Auf dem Weg zum  Startpunkt eine Pronghorn-Antilope:

Im Bryce Canyon gibt es zwei große und beliebte Wanderwege: Der Queens Garden Trail und der Navajo Trail. Beide führen auf relativ kurzer Wegstrecke durch die nahegelegenen Parkschönheiten. Aber wir hatten uns für heute auf die Fahne geschrieben, den Fairyland Trail zu laufen.

Dieser beginnt am nördlichen Ende des großen Amphitheaters am Sunrise Point. Was wir zu Anfang noch nicht wussten: Schaffen wir das überhaupt? Der Trail war mit über 8 Meilen ausgezeichnet, das sind eine Menge Kilometer. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und ich bin normalerweise nicht leicht zu überraschen.

Für mich war dieser Trail einer der schönsten, die wir bisher gelaufen sind. Kaum hatte man sich von einer Schlucht mit extraschönen Hoodoos verabschiedet, kam schon die nächste in Sicht.

Eines der Highlights: Die Tower Bridge, die mit ihrer Form tatsächlich an das Bauwerk erinnert.

Da dort wohl häufig Wanderer (auch mit Familien) Pause machen,

hatten sich sowohl ein kleiner Nager

als auch ein Diademhäher (Steller’s Jay) dort niedergelassen,

um die abfallenden Nahrungsmittel abzugreifen. Selbstverständlich haben wir sie nicht gefüttert oder ihnen so etwas zukommen lassen.

Weiter ging es, bergauf und bergab, immer auf festgetretenem Lehmboden, was das Laufen sehr einfach machte.

Nach ca. 5,7 Meilen hatten wir durch den Fairyland Canyon den hochgelegenen Teil erreicht

und mussten „nur“ noch 2,4 Meilen zum Sunrise Point und zum Auto zurücklaufen. Man, was waren wir kaputt. Hätte nicht die meiste Zeit an angenehmer Wind geblasen und wäre der Weg nicht in so gutem Zustand gewesen, wir hätten die 12,77 km nicht in 4:19 Minuten (+54 Min. Pause) geschafft. Dazu gehörten auch 523 Höhenmeter. Geradeaus wäre das kein Problem gewesen.

Ich legte mich erstmal in die Badewanne, um die müden Beine wiederzubeleben. Anschließend gab es mit einer neuen Mikrowelle einen Satz Chimichangas, ein Genuss und genau das, was wir brauchten.

Den Sonnenuntergang schenken wir uns am Rim, dazu sind wir zu kaputt. Vielleicht sind wir ja im Laufe des Abends noch soweit regeneriert, dass es zu einem Versuch der Milchstraßenfotografie reicht.

Mensch, sind wir gut.

06.06.2018 Zebra Slot Canyon – Bryce Canyon Sunset

Was machen wir heute mit dem Tag? Die Nacht haben wir gut geschlafen, es war ja recht kühl draussen, Klimaanlage unnötig. Den Kaffee kochten wir uns mit der winzigen Kaffeemaschine, das funktionierte richtig gut.
Im Gegensatz zum Internet. Als wir gestern abend angekommen waren, zeigte ein Testprogramm 10mBit/Sek sowohl im Up- als auch im Download an. Davon war am Abend so gut wie nichts übrig geblieben. Zuviele Besucher, die das Wlan blockierten?
Ich machte mit Rechner einen Spaziergang zur Lobby, setzte mich dort in einen gemütlichen Sessel und lud zumindest die Fotos hoch, die ich für den Reisebericht des Tages benötigte. Den Upload auf meine Diskstation zuhause fing ich erst gar nicht an. Aber wir wollen uns nicht beschweren. Oder doch? Unser Kühlschrank jedenfalls war richtig gut voll:

Zum Frühstück gab es Rührei aus der Packung, allerdings hatte der Drehteller der Mikrowelle sein Eigenleben. Irgendwie schafften wir es dann doch, das Ei und den Bacon zuzubereiten und uns auf die Piste zu machen.

Nach gestrigen Diskussionen – das schaffen wir nicht, da kommen wir nicht hin, da steht das Wasser meterhoch – entschlossen wir uns doch, die 12 Richtung Osten zu fahren und die „Hole in the Rock-Road“ bis zu einem Parkplatz durchzufahren, um von da aus eine kleine Wanderung zu einem Slotcanyon zu starten. Der Name: Zebra Slot.

Auf dem Weg dahin mal Felsen ganz in grau gehalten. Eine dezente Abwechselung zu dem immer präsenten gelb und rot.

Im Visitor-Center sowohl in Cannonville als auch in Escalante bekamen wir gute Tipps, welche Straße, welcher Wanderweg in welchem Zustand sei.

Der Zebra-Slot-Canyon wurde als Hike mit ca. einer Stunde Anmarsch klassifiziert, 2,4 Meilen pro Strecke. Auf der Hole in the Rock Road fährt man 7,8 Meilen nach Süden, bis man rechts auf einem Parkplatz keinen oder (in unserem Fall) sehr viele Autos stehen sieht. Wir sind nicht alleine.

Gegenüber geht der gut sichtbare Trampelpfad los durch mehr oder weniger aufregendes Gelände.

Ich hatte mal Runtastic eingeschaltet und dieses meldete mir nach jedem Kilometer, wieweit wir gelaufen seien. Nach ca. 2 Kilometern wurde das Flussbett und die umgebenden Felsen deutlich interessanter, um nicht zu sagen fantastisch.

Es ging in ein Flussbett und da hörte dann die Beschilderung mehr oder weniger auf. Aber uns entgegenkommende Wanderer wiesen uns den Weg in einen Canyon, der immer schmaler wurde (die zwei kleinen Bäume auf mittlerer Höhe, etwas links von der Mitte).

Im Canyon an den Wänden fanden wir die von den Indianern sehr geschätzten Moqui-Marbles.

Irgendwann wurde es so eng, dass selbst meine extrem schlanke Figur nicht mehr durchgepasst hätte.

Die ca. 4 Kilomenter mussten wir logischerweise auch wieder zurück, was angesichts des leicht ansteigenden Weges und der höheren Temperaturen nicht leicht war. Hinter jeder Biegung, auf jeder Ridge die Hoffnung: Kann ich jetzt den Wagen sehen? Die Hoffnung stirbt zuletzt, also waren wir vorher am Auto. Runtastic zeigte 8,31 km.

Das nächste Ziel war eigentlich der Devils Garden ein paar Meilen südlich von unserem Parkplatz. Aber ein paar Meilen gefahren zeigte plötzlich der Reifendruckanzeiger, dass der Druck im vorderen rechten Reifen von 46 psi auf 23 und dann schnell noch weiter runter ging. Plattfuss, juhuuuuu.

Nun ist ein Reifenwechsel eigentlich a) eine reine Männersache und b) nichts, was mich vom Hocker reißen könnte. Das eigentlich Interessante ist bei fremden Autos immer: Gibt es einen Ersatzreifen? Gibt es Werkzeug? Wo sind ersterer und letzteres? Den Reifen hatten wir schon unterhalb der Ladefläche gefunden, das Werkzeug (zum Glück einen vollständigen Wagenheber und kein Notflicksystem) gruben wir mit Hilfe der Bedienungsanleitung unter dem Beifahrersitz aus. Jetzt noch den Reifen aus seiner Verankerung lösen (war auch nicht ganz ohne) und dann konnte der eigentliche Teil des Reifen wechselns beginnen.

Zum Glück lief das problemlos ab, aber zum Devils Garden fehlte dann doch die Lust, so verdreckt und versandet, wie ich war. Den Hertz-Service konnten wir auch nicht anrufen, da in großen Teilen des GSENM kein Handyempfang besteht. Also zurück nach Bryce Canyon City, wo es eine Autowerkstatt gibt (die logischerweise um 16.30 geschlossen hatte). Dann bei Hertz Roadside Assistence anrufen und dort erfahren, dass wir morgen früh in der Werkstatt aufschlagen sollten, dann bei Hertz anrufen und die klären dann die Abrechnungsmodalitäten. OK, einen funktionierenden Reifen haben wir wieder drauf, erstmal ins Hotel zurück und duschen.

Nach einem leckeren Abendessen ein kurzes Päuschen und dann gegen 19 Uhr erstmalig in den Park gefahren und am Sunset Point den Sonnenuntergang genossen. Stühle mitgenommen, das war richtig schön.

 
Und morgen sehen wir dann, wie es mit unserem Auto weitergeht. Ölwechsel möchte er nämlich auch haben.