Nun ist es soweit, wir müssen die Stadt der Sünde und des Gamblings verlassen. Das Hotel hat uns sehr gut gefallen, vor allem das Frühstück war reichhaltig und abwechselungsreich.
Unser Ziel für heute ist St. George in Utah. Hier werden wir vier Nächte verbringen. Aber dazu müssen wir erstmal hinkommen. Normalerweise setzt man sich auf den Interstate 15 und fährt durch die Virgin River Gorge mit einem Mini-Abstecher durch Arizona in den südlichsten Teil des Staates Utah, nach St. George, auch Utahs Dixie genannt.
Die Temperaturen in Las Vegas liegen wieder um die 13°C, bei Bedarf zieht man sich einen Hoodie (oder wie in meinem Fall: einen Kapuzenpullover) drüber.
Unser Auto hat sich bzgl. des Internetzuganges eines Besseren besonnen, wir sind mit Google Maps wieder online. Hatte vielleicht gestern einen schlechten Tag. Computer sind auch nur Menschen.
Die Strecke auf dem Interstate sind wir bisher immer gefahren. Aber mich reizt schon seit Jahren der Cathedral Gorge State Park. Er liegt etwas abseits der Strecke, von St. George aus 1 h und 40 Minuten nordwestlich. Da kommen wir üblicherweise nicht hin. Aber diesmal wollen wir diesen Umweg einbauen.
Wir tanken am Interstate bei Costco noch einmal voll (3,199 USD / Ga) und schlendern auch einmal durch. Das war der billigste Costco-Besuch jemals (Tip für alle Männer: Wenn da steht Business-Center, reingehen). Nicht nur gab es keine Bäckerei, auch die Textilabteilung war zur großen Enttäuschung meiner Göttergattin nicht existent. Aber wie gesagt: Man spart enorm Geld, wenn man mit leerem Einkaufswagen wieder rausgeht.
Etwas nördlich von LV biegt die Route 93 nach Norden ab. Die Strecke wechselt sich von langweilig nach öde ab, es geht lange Zeit einfach nur geradeaus durch die Wüste.

Eine Abwechselung bringt ein grünes Feld von Joshua Trees. Was tun die soweit nördlich? Haben die sich verfahren?
Kurze Zeit später geht es in die Berge. Die Temperatur sinkt auf schnuckelige 6 °C, Schneefelder blinken am Straßenrand. Aber die Straßen selbst sind geräumt und trocken.

Wir bleiben auf der 93, durchqueren Caliente und biegen dann nach links in den Statepark ein. Besorgen uns eine Karte und steuern in leichter Verkennung der Lage den Miller Point Aussichtspunkt an.

Eine unwirtliche und gleichzeitig wahnsinnig schöne Landschaft breitet sich unter uns aus.

Wir stapfen ein paar Treppen runter und lassen diese vielen Spitzen auf uns einwirken. Wo soll man zuerst fotografieren?

Von untern kommen Leute rauf. Sie sind komplett durch das Tal gelaufen, um diesen Anblick von oben zu genießen.
Das können wir auch. Wir müssen nur noch einmal zum Eingang zurückfahren und die Hauptstraße zur Picknickarea fahren.

Das machen wir und finden uns in einer Landschaft wieder, die eine Mischung aus Bryce Canyon, Ah-Shi-Sle Pah Wilderness und Hoodos irgendwo in Arizona darstellt. Direkt an der Picknick-Area die Säule, die man immer wieder auf Prospekten sieht.

Logisch, dass wir diese und auch viele, viele andere fotografieren.

Unser Weg führt uns auf dem Miller Point Trail an Hoodos der verschiedensten Formen, Größen und Farben vorbei.

Wie schon gesagt, es fällt schwer, den Auslösefinger im Zaum zu halten.

Als wir dann an dem Aufgang stehen, den wir von oben gesehen hatten, drehen wir uns noch einmal um 360° und nehmen die Bilder in uns auf.

Der Boden ist stellenweise matschig und wir müssen aufpassen, um uns nicht der Länge im Lehm zu wälzen.

Als wir das Tal verlassen haben, wenden wir uns ein Stückchen nach Westen, um der Juniper Draw Loop eine Weile zu folgen.

Auch hier beschert die langsam tiefer sinkende Sonne ein tolles Licht- und Schattenspiel.

Und sagt selbst: Ist das nicht ein Bryce Canyon Orange?

Zurück an der Picknickarea schauen wir noch einmal auf die Karte. Denn: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil: Dort werden diverse „Slot Canyons“ angepriesen. Das ist Wasser auf unseren Mühlen.

Wir entern diverse und das ist schon ein tolles Gefühl. 7-10 Meter hoch über uns erstrecken sich die Lehmwände, die stellenweise so eng zusammenrutschen, dass ich an einer Stelle meinen Rucksack abnehmen muss, um mich seitlich durchzuquetschen. Wie gut, dass ich sooo schlank bin.
Unter uns der Matsch, der in der kühlen Witterung ohne Sonnenstrahlen keine Gelegenheit hatte, auszutrocknen. Über uns der blaue Himmel, der wie die Silhouette von irgendwas zwischen den Felsen hervorschaut.

Und wenn man dann in Richtung Sonne blickt, aus dem Slot heraus, eine wunderschöne Beleuchtung der Felsen. So wünscht es sich der Fotograf.

Draußen warten natürlich auch wieder weitere Hoodos im Nachmittagslicht.
Schließlich marschieren wir zurück zum Auto und klopfen unsere Matschtreter so gut wie möglich ab. INS Auto kommen die NICHT. Ab auf die Ladefläche mit euch.
Wir geben ins (immer noch funktionierende) Navi unser Hotel ein und machen uns auf den 1h 40 Minuten dauernden Weg.

Meistens können wir mit 65 mph dahinrollen, auch die Berge behindern unsere Fahrt nicht. Einen Pass mit über 2000 m überqueren wir, bis wir in die roten Berge von St. George einrollen. Ein heimatliches Gefühl überkommt uns.
Das Zimmer ist einfach, aber wir können unser Essen draußen in einer gemütlichen Lounge-Ecke einnehmen. Immerhin ist es 16°C draußen.

2 km waren es zu wandern und dann standen wir am oberen Ende dieser unwirklichen Felsenlandschaft.
Diesmal merkten wir uns den Einstiegspunkt und begannen den Abstieg. Das war der leichte Teil. Und der schwerere bedeutete, dass wir die ca. 100 Höhenmeter wieder raufmussten. Da merkten wir schon, dass wir was getan hatten.
Für den Rückweg packte ich dann das Makro-Objektiv auf die Kamera, um die ganzen Blümchen, die Karin zwecks besserer Wiedererkennung mit einem neongrünen Textmarker angepinselt hatte, aus der Nähe aufzunehmen. Und es ist um diese Jahreszeit absolut wahnsinnig. In jeder Ecke springen einen die rosa- und pinkfarbenen Kakteenblüten an, so als wäre die Natur auf Drogen.
Wieder am Auto hoppelten wir die Dirtroad zurück und fuhren die nördliche Route zum Bryce Canyon. Es hätte auch noch andere Strecken gegeben, aber dies war die schnellste und wir wollten noch vor Dunkelheit ankommen.
Diese führte durch Panquitch, einer Weltstadt mit Herz, aus Film, Funk und Fernsehen dem Publikum bestens bekannt. Wirklich? Nein, ein hübsches Drecksnest mit ein paar alten „historischen“ Häusern.
Weiter ging es durch den Red Canyon, die Vorstufe zum Bryce.
Im Hotel hatten wir eine total liebe Rezeptionistin, die uns alle Wünsche (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) erfüllte.
Ab ins Hotel, der Tag war anstrengend, aber auch superschön.
Jetzt aber nichts wie hin, bevor es sich der Wettergott anders überlegt. Unser Navi (Android Auto natürlich) führt uns zum nördlichen Eingang. Das war eine glückliche Fügung, denn ein paar Meter oberhalb der Einfahrt gibt es noch einen Parkplatz mit einem Trailhead, der zum White Rock Amphitheater führt.
Bis zu den Felsen war der Weg einigermaßen gangbar, also schnallte ich mir einen Campingstuhl an die Fototasche und wir dackelten los.
Es ging bergauf, bis wir in die Schlucht hinab- und auch in die Schüssel zurückschauen konnten.
Die Schuhe machten genau das, was sie sollten: Sie hielten stabil und die beste Gemsenkletterin von allen ging rauf, runter, quer, hin und her. Kein Ton der Beschwerde kam über ihre Lippen. Und ab und zu ein Stöhnen der Begeisterung, wie guuuut diese Treter seien.
Auf dem Rückweg lasen wir meine Mom wieder auf und ich machte an fast jedem Blümchen Halt, um sie auf ihre fotografische Geeignetheit zu untersuchen.
Am Wagen angekommen, ging es in den eigentlichen Canyon rein und dann auf den Petrified Dunes Trail. Hier gab es im Gegensatz zu den weißen Felsen die rote Variante, angenehm zu laufen. Und auch auf dieser Felsfarbe bewährten sich die neuen Schuhe.
Zurück von der Wanderung suchten wir uns ein Picknickplätzchen und ließen uns die in der Kühlbox mitgebrachten Salate schmecken.
Ein letztes Ziel im Canyon hatten wir noch vor Augen: Jenny’s Canyon. Hier bekommt man ohne viel Federlesens einen waschechten Slotcanyon zu sehen. Wir hatten ihn früher schonmal besucht, aber jetzt passte das Wetter einfach besser.
Und weil es so schön in der Sonne liegt: Das Logo unseres F150.
Wir verlassen den Park und wollten uns gerade Richtung St. George wenden, als mir noch einfiel, dass ich vom Gunlock State Park Wasserfälle gesehen hatte.
den Berg wieder hinauf und Langzeitbelichtungen üben. Leider tröpfelte es immer wieder leicht aus Leckagen in den Wolken. Sollte in den nächsten Tagen die Sonne scheinen, fahren wir nochmal rauf.
Jetzt aber ab in die Stadt. Auf dem Weg dahin eines der nicht ganz so eleganten Gebäude, die sicher in der Wochenmiete sehr erschwinglich sein dürften.
Der Geschäftsführer von Ross hätte beinahe schon eine Vermisstenmeldung aufgegeben, weil wir uns seit Beginn der Reise noch nicht in einem der Stores hatten blicken lassen.
Fahrtag – wie langweilig
Unterwegs wechselten sich Sonne und Wolken in schöner Regelmäßigkeit ab.
Die Gorge selbst ist immer wieder imposant und ein tolles Stück Ingenieurskunst. Im letzten Jahr hatte ein Erdrutsch einen Teil der Straße zerstört, aber in bewundernswerter Schnelligkeit wurde diese wieder instand gesetzt.
Am Ende der Schlucht (in nördlicher Richtung) befindet sich eine Ausfahrt, die in östlicher Richtung zu einem Campingplatz führt, in westlicher Richtung in die Berge. Und da wir diese Dirtroad in früheren Jahren schon komplett durchgefahren waren, wussten wir, dass sich dort riesige Felder von Joshua Trees befanden. Außerdem musste unser F150 auf Geländetauglichkeit getestet werden.
Und natürlich auch auf die Joshua Trees. Wie konnte ich die nur vergessen?

Unser Domizil war schnell gefunden und wir eroberten die Hütte, die uns in den nächsten fünf Nächten ein Dach über dem Kopf bieten wird.
Schätze, wir haben schon schlechter gewohnt.































