24.09.2024 – Auf den Spuren von Moby Dick

Heute ist der große Tag. Wir gehen Wale schießen. Also mit der Kamera. Eine Harpune darf nicht mit auf das Boot. Und ob wir Moby Dick sehen, wage ich auch zu bezweifeln, Pottwale verirren sich eigentlich nicht in diese Gegend.

Zeitig stehen wir auf, frühstücken genüsslich und machen uns auf die Straße. Mittlerweile traut meine Göttergattin mir sogar zu, dass ich den Weg zum Hafen ohne Navi finde.

Wir buchen uns ein Tagesticket auf dem Parkplatz und spazieren zum Anlegeplatz der Firma Montery Bay Whale Watch. Gut, die heißen alle ähnlich, daher hier einmal die Webadresse der Firma:

https://www.gowhales.com

Wir melden uns bei der Kasse mit Namen und bekommen zwei winzige Eintrittskärtchen.

Als sich die Schlangen bilden, gibt sofort eine Trennung: Die mit den gelben Armbändchen dürfen aufs Oberdeck, haben dafür aber auch 14 USD mehr bezahlt. Brauchen wir das? Für meinen Teil entscheide ich: Nein. Zu gemütlich erscheint mir die Bank direkt am Bug des Schiffes, den ich sowieso für die nächsten vier Stunden nicht verlassen sollte, da man durch Blick auf den Horizont die Seekrankheit besser übersteht. Aber vorsichthalber habe ich noch konzentrierte Ingwertabletten zu mir genommen. Sicher ist sicher.

Nach einer kurzen Einführung legt das Boot ab und steuert an der Mole vorbei auf die Bay. Linker Hand auf der Mole liegen hunderte Sea Lions und verbreiten Lärm und Gestank.

Aber es dauert nicht lange, bis wir in offeneres Wasser kommen. Die Monterey Bay hat als Besonderheit einen Unterwassercanyon, der bis zu 12.000 Fuß tief ist. Also mehr als der Grand Canyon. Diese geologische Besonderheit ist dafür verantworlich, dass es hier ein extrem reichhaltiges Nahrungsangebot gibt.

Und das wird von allen Meeresbewohnern ausgenutzt. Schon nach kurzer Zeit tauchen die ersten Humpback-Wale (zu deutsch Buckelwale) auf. Und das ist wörtlich zu nehmen. Neugierig strecken sie ihre massigen Köpfe aus dem Wasser, um zu sehen, wer sie da schon wieder stalkt.

Die Kameraverschlüsse klicken wie wild. Um uns herum tobt das Wasser und es ist schwierig, immer mit der Linse am richtigen Ort zu sein. Eine Schwanzflosse, die ins Wasser abtaucht, abzulichten, geht noch einigermaßen leicht, weil man den Körper des Wals langsam verschwinden sieht.

Aber die Köpfe tauchen ohne Vorwarnung an allen möglichen Stellen auf, wo man sie nicht erwartet.

Dann heißt es nur noch: Kamera rumreißen und hoffen, dass der Fokus schnell genug packt. Ich schieße immer circa 3 Fotos im Serienbildmodus und stelle im Nachgang fest, dass ab dem zweiten Fotos der Fokus meisten gepackt hat.

Logischerweise kommen da so einige Aufnahmen zusammen. Am Ende des Ausfluges sind es ca. 700, die ich sichten und anschließend eindampfen muss.

Während die Wale sich genüßlich die Bäuche füllen, sehen wir hunderte von Seelöwen, die fast übereinander gestapelt auf dem Wasser treiben. Aus dem Off ertönt die Stimme unseres Guides, dass hier eine Zusammenarbeit zwischen beiden Säugetiergattungen stattfindet, eine sehr seltene Symbiose auf der ganzen Welt.

Wir sind regelrecht gestresst, aber auch begeistert vom Treiben rund um uns herum.

Man erzählt, dass die Wale den Menschen hier schon bekannt sind. Auseinandergehalten werden sie durch das Aussehen der Schwanzflossen. Manche kommen immer wieder hierhin und haben auch schon Namen bekommen (auf die sie aber nicht hören, wenn man sie ruft).

Unser Guide meint auch, wir bräuchten keine Angst zu haben, von einem Wal verschluckt zu werden. Auch wenn ein Mundvoll ca. 5.000 Gallonen Wasser fasst, so ist der Schlund doch nicht viel größer als eine Honigmelone.

Und damit wäre die Story von Jonas und dem Wal“fisch“ wiederlegt. Zu mindest, was die Buckelwale betrifft.

Irgendwann wird es dann doch ruhiger um uns herum und wir fahren noch weiter raus in die Bay, um noch andere Vertreter zu Gesicht zu bekommen.

Aber wir sehen nur noch einen weiteren Wal. Und auch den nur mit Glück, da wir in die übliche Nebelbank gefahren sind und das Nebelhorn häufig tutet.

Dann ist unsere Zeit um und wir sehen zu, dass wir innerhalb der gebuchten vier Stunden wieder im Hafen landen. Vor uns liegt die Cannery Row. So sieht sie von Seeseite aus.

Beim Verlassen des Schiffes frage ich unsere Führerin, ob sie die Seelöwen auch alle per Namen kennt. Und bin ein wenig enttäuscht, als das nicht so ist.

Wieder an Land suchen wir erstmal die Waschräume auf, um uns das Salzwasser von den Händen zu waschen, mit dem wir partiell geduscht wurden.

Da unser Parkticket noch länger gültig ist, beschließen wir, auf dem Montery Bay Coastal Trail noch ein wenig dem Gebrüll der Seelöwen zu lauschen, die es sich im Hafenbecken gemütlich gemacht haben.

Ob die Pelikane davon etwas genervt sind? Sie lassen sich nichts anmerken.

Wenn man dem Weg weiter entlang der Küste folgt, landet man am San Carlos Beach. Dort liegen leider vier tote Tiere auf dem Strand, eines davon ein Jungtier. Wir haben keine Ahnung, was die Ursache ist.

Noch weiter am Trail liegt dann die Cannery Row mit ihren typischen Übergängen der alten Konservenfabriken.

Hier werden diese architektonschen Merkmale von den inzwischen eingezogenen Hotels genutzt (z.B. um die Parkgaragen zu erreichen).

Es geht wieder zurück und wir fahren noch ein Stückchen an der Küste entlang, um den Abend am Lovers Point ausklingen zu lassen.

Leider kommt uns der Nebel zuvor, der es ungemütlich macht. Also drehen wir um und erledigen noch ein paar Einkäufe, bevor es dann an die eigentliche Arbeit geht.

Schon in der Kamera hatte ich die Fotos auf ungefähr die Hälfte reduziert, aber 318 warteten immer noch am Rechner auf mich. Durch hartnäckiges und konsequentes Aussieben konnte ich diese auf 144 reduzieren.

Ein abenteuerlicher Tag geht zu Ende.

23.09.2024 – 17 Mile-Drive

Guten Morgen Monterey.

Nach dem gestrigen nebulösen Tag war ich nicht erstaunt, mit dem gleichen grauen Himmel wieder begrüßt zu werden. Aber auch mit der Hoffnung, dass sich das im Laufe einiger weniger Stunden ändern wird. Plan für den heutigen Tag: Eine Wal-Sichtungs-Tour buchen und dann den berühmten 17-Mile-Drive zu fahren.

Zu ersterem mussten wir erstmal zu Fishermans Warf fahren, um über den Pier zu einem der Tourveranstalter zu gelangen.

Da wir den Nebel im Zimmer einfach ausgesessen hatten, kamen wir bei schönstem Wetter auf dem Pier an. Erstmal ein Parkticket ziehen und dann gemütlich über die Holzplanken an den gesamten Andenkenläden, Fressbuden und was sonst noch da rum steht, vorbeilatschen.

Am Ende lag dann einer der vielen Waltouren-Veranstalter. Wir hatten uns für diesen entschieden, weil a) die freundliche Dame an der Rezeption ihn empfohlen hatte und b) weil diese Touren von Meeresbiologen und -studenten durchgeführt werden, die entsprechende Achtung von den Tieren haben und die notwendigen Abstände halten. Pro Person bekamen wir aufgrund eines Gutscheins noch 10 USD/Person nachgelassen. Auf dem Pier selbst eine mächtige Geräuschkulisse und dazu passende Geruchsbelästigung: Sealions trampelten sich an den Stegen auf die Flossen.

Da unsere Parkuhr noch etwas Zeit übrig hatte, spazierten wir ein wenig am Hafen entlang.

Dort tummeln sich die putzigen Meeressäuger und belustigen die nicht zahlenden Zuschauer.

Auch Pelikane stehen majestätisch – oder sollte ich sagen, gelangweilt? – auf den Felsen rum, als könne sie das Gegröle der pelzigen Säuger überhaupt nicht belasten.

Die Ruhe möchte ich haben.

Anschließend machten wir uns auf den Weg an der Küste entlang. Zuerst durch die Cannery Row, bekannt durch John Steinbecks „Straße der Ölsardinen“ und dann vorbei am Lovers Point und den felsigen Stränden vor Pacific Grove bis zum Gate des 17 Mile Drive. Dieser ist kostenpflichtig und wir entrichteten den Straßenzoll von 12 USD.

Es geht zuerst zum Moss Beach. Durch unsere Trödelei und den Ticketkauf ist es mittlerweile Mittag geworden und wir richten die Ladefläche unseres Trucks für ein Päuschen ein.

Dann, aus den Augenwinkeln eine ungewohnte „Bewegung“. Weit hinten auf dem Wasser „Spritzer“, die nicht einem Boot ähneln. Wale. Was für welche? Keine Ahnung. Also hole ich die Dicke Berta raus und versuche, den einen oder anderen Schuss zu erreichen.

Hinterher bei der Entwicklung und Postproduktion kann man wage erkennen, dass es sich vermutlich um einen Humpback Wal gehandelt hat, der dort solche Kapriolen im Wasser vollführt hat. Ich hoffe, dass wir morgen deutlich näher rankommen.

Am Joe Vista Point machen wir wieder einen Stop, um die herrlich wilde Küste auf uns einwirken zu lassen.

Sowohl in die eine als auch in die andere Richtung.

Und selbst wenn man sich umdreht und nach hinten schaut, sieht man einen der vielen wunderschön angelegten Golfplätze, die schon die berühmtesten Spieler wie z.B. Tiger Woods gesehen haben.

An einem Turnout hinter dem China Rock Vista Point sehen wir Felsen, die gar nicht chinesisch aussehen,

aber dafür tummeln sich mehrere Otter im Wasser. Einer hält einen Stein zwischen den Pfoten und lässt sich in den Tangwäldern treiben, als gäbe es kein Morgen. Ein süßer Anblick.

Davon total ungerührt ziehen viele Pelikane von links nach rechts und umgekehrt. Wahrscheinlich haben sie dieses Schauspiel schon öfters gesehen.

Dann kommen wir zu berümtesten Attraktion des Drives: Der Lonely Cypress. Einsam steht sie auf einem Felsen, der mittlerweile schon untermauert wurde, damit diese Attraktion noch lange bestehen bleibt. Mit Seilen wird sie abgesichert, damit sie weder geklaut noch von einem Wintersturm weggeweht wird. Wir alle kennen diesen markanten Baum bei Sonnenschein. Aber wer hat ihn schon einmal bei Küstennebel gezeigt? Eben keiner. Und das ist jetzt eine der wenigen Gelegenheiten, dieses Bild auf sich wirken zu lassen.

Etwas weiter an Küste entlang stehen die Ghost Trees des Pescadero Points an der Straße. Mir kommt als erstes der Gespensterwald in Nienhagen in McPom in den Sinn, aber eine Ähnlichkeit gibt es da nicht.

Wir fahren den Drive weiter, aber da er sich ins Landesinnere bewegt, sind außer teuren Villen für die Reichen und Schönen nur noch Bäume in Wäldern zu sehen. Unterbrochen von dem einen oder anderen Golfplatz.

Wir kehren zur Küste zurück und begrüßen die Sonne. Der Nebel hatte sich ausschließlich an diesem kleine Stück breit gemacht.

Am Fan Shell Beach Lookout kann man deutlich sehen, wie sich die Erbsensuppe vom Wasser ins Landesinnere bewegt.

Wieder ein Stück weiter Richtung Monterey machen wir am Bird Rock Vista Point Halt, um eine Art von Abendessen bei guter Aussicht zu genießen.

Wir bekommen schnell Zaungäste, die anscheinend darauf trainiert sind, schnell zuzuschnappen, wenn was runterfällt.

Und obwohl auf großen Schildern „nicht füttern“ steht, sind einige Touristen des Lesens offensichtlich unkundig und halten den Tieren doch etwas hin.

Na ja, wir wissen nicht, wie man abgebissene Finger behandelt. Komplett ungerührt von diesen Fütterungsaktionen sind die pelzigen Meeressäuger gegenüber auf den Felsen. Wobei wir uns fragen, wie die da wohl raufgekommen sind. Ob es einen Aufzug auf der Rückseite gibt?

Langsam steht die Sonne tiefer und wir brauchen dann doch noch bis deutlich nach 18 Uhr, bis wir im Hotel angekommen sind. What a day.

22.09.2024 – Von Oakhurst nach Monterey

So langsam scheinen wir im Urlaub anzukommen. Selbst ich habe bis 6.30 Uhr geschlafen, ein Rekord. Und dass, wo ich mich schon so auf das Frühstück freue.

Bevor es in den Frühstücksraum geht (die Sonne lacht wieder vom blauen Himmel herunter), ein paar Impressionen von unserer gemütlichen Unterkunft. An der Säule neben unserem Zimmer klettert zum Glück nur ein Holzbär hoch.

Und eine hölzerne Freiheitsstatue zeigt, dass sie ein gutes Deo verwendet hat: Trotz der ansteigenden Temperaturen keine Schwitzflecken.

Nachdem wir alles in den Wagen verladen haben, checken wir noch aus: Null Euro dank der Verwendung von Best Western Punkten. Und das, wo eine Nacht locker 300 Euro gekostet hätte.

Zu Werbezwecken für das Hotel (das hat es verdient) ein Foto der gemütlichen Lobby.

Ein Blick auf die Tankuhr zeigt, dass wir noch ca. 120 Meilen im Tank haben. Und die Spritpreise sind hier nicht ohne. Für das Zahlen mit Karte verlangt man um die 4,55 USD/Ga. Aber in Fresno, ca. 40 Meilen entfernt, sagt mir die App Gasbuddy, dass der Sprit dort unter 4 USD/Ga bei Costco kostet. Bis dahin schaffen wir es.

Dort angekommen investieren wir das eingesparte Geld in dringend benötigte Kleidung und ein paar Nahrungsmittel für den Weg. Auch eines von den leckeren Broten landet im Einkaufskorb.

Vollgetankt (die Gallone kostet 3,88 USD) machen wir uns in der warmen Sonne auf den Weg.

Besonders interessant ist die Strecke nicht, es geht durch trockene Felder, bis die Landschaft wieder bergiger wird.

Und dann machen wir eine Pause am San Luis Reservoir. Dort ist schon einiges an Wasser entnommen worden.

Wir fahren in die Hügel, aber die Strecke bleibt ziemlich trocken. Die Temperatur außen erreicht die 94°Fahrenheit, das entspricht ca. 34-35°C.

Auch wenn diverse Bäume nicht darüber hinwegtäuschen können, dass ein Funke das ganze Gelände in Brand setzen könnte.

Als wir uns schließlich der Küste nähern, sinkt die Temperatur deutlich, aber auch der blaue Himmel verschwindet.

Das Hotel kennen wir von früher, mein Rechner erinnert sich sogar noch an das Passwort für das Internet. Wir beziehen ein schönes großes Zimmer im dritten Stock mit Blick in Richtung Küste, allerdings ohne das Wasser selbst zu sehen. Nennt man sowas Meerblick im Werbejargon?

Da die Sonne gerade so schön scheint in unserer Ecke, beschließen wir, auf eine Pause zu verzichten und das gute Wetter auszunutzen. Vorsichtshalber und zu Beweiszwecken hier ein Foto in der Wohngegend, in der sich unser Hotel befindet.

Am Hafen auch noch das schönste Wetter, aber uns treibt es weiter auf die weniger bevölkerte Halbinsel. Dort gehen wir vor Anker und nehmen auf der Ladefläche unseres Pickups das Abendessen ein.

Weiter südöstlich sehen wir den blauen Streifen des Hafens und der Cannery Row im schönsten Sonnenlicht liegen.

Ein Pärchen, das an unserem Dicken vorbeispaziert, fragt, ob wir die Wale gesehen hätten. Nein, wo denn? Im Wasser? Sie befinden sich ein paar hundert Meter Richtung Monterey. Also werfen wir den Truck an und fahren zu einem anderen Parkplatz.

Ich sehe all die Handyknipser mit ihren Knäckebrot-Telefonen, wie sie versuchen, mit zweifach-Zoom ein passables Bild auf den Chip zu bannen und weiß, dass jetzt doch wieder die Stunde für die Dicke Berta schlägt. Und so ein Truck hat seine Vorteile. Allerdings werde ich mir beim nächsten Mal eine Jacke aufs Dach legen, damit ich die Linse und Kamera auflegen kann.

Die Lichtverhältnisse sind besch…, aber ich versuche, mit technischen Mitteln das beste aus den verrauschten Aufnahmen rauszuholen. Hier eine Mutter mit Kind, die dem Nachwuchs gerade das Abtauchen mit erhobener Schwanzflosse beibringt.

Pelikane fliegen zu hauf vorbei, vielleicht bekomme ich sie ja in den nächsten Tagen auch mal im Sonnenlicht vor die Kamera.

Als wir uns dann auf den Rückweg machen, liegt die Cannery Row und der Hafen mittlerweile auch fast im Dunkeln.

21.09.2024 – Yosemite National Park

Man macht nur einmal einen Plan. Und den ändert man, bis er passt.

Aber fangen wir vorne an. Wir hatten trotz (oder wegen?) der harten Betten gut geschlafen und gingen ausgeruht zum Frühstück. Dieses wurde – wie in diesem Hotel üblich, an einer Theke von einem freundlichen und gut gelaunten Bediensteten ausgeschenkt.

Kaffee aus Porzellantassen, Porzellanteller und Metallbesteck, das hatten wir in diesem Urlaub noch nicht. Üblicherweise poste ich ja mein Essen nicht im Netz, aber hier ist es eine Erwähnung wert.

Zum heutigen Plan: Es war angedacht, zum Hetch Hetchy Reservoir zu fahren, um dort die Wapama Falls zu besichtigen. Leider erfuhren wir über das Internet, dass diese komplett ausgetrocknet seien. Und nur für das Reservoir 2,5 Stunden zu fahren, erschien uns dann doch ein wenig übertrieben.

Das geht also schonmal nicht. Als Alternativplan Nummer 1 gibt es noch den Sentinel Dome, eine merkwürdige Erhebung inmitten der Berge, die man aber problemlos und ohne schwindelig zu werden, raufkraxeln kann. Der Parkplatz war der gleiche wie gestern zum Taft Point. Nur eines war anders: Der Wochentag.

Heute, Samstag, sind viele andere Reisende unterwegs.

Wir verlassen relativ zeitig unsere Herberge

und machen uns auf den Weg in die Berge. Ca. 17 Meilen gewundene Bergstraße mit einem Maximaltempo von 35 mph kosten ihren Zeit. Und so stehen wir SCHON um 9.17 Uhr am Gate zum Yosemite National Park. Bzw. wir stehen in der Schlange mit vielen anderen.

Ca. 47 Minuten dauerte es, bis wir unser spezielles Permit, den Nationalpark Pass und den Ausweis vorzeigen konnten. Ob die Ranger in dem Bus vor uns jedem einzelnen eine Karte verkauft haben?

Kurz hinter Wawona (mit eigenem Golfplatz, das braucht der Amerikaner) biegen wir auf die Glacier Point Road ab. Nach weiteren ca. 11 Meilen kommen die beiden Parkplätze in Sicht. Und, oh Wunder, alles rappelvoll. Selbst mit meinen Parkkünsten hätte ich mich nirgendwo legal hinstellen können.

Kommen wir also zu Plan b). Vom Glacier Point aus geht angeblich auch ein Trail zum Sentinel Dome. Und dort wissen wir, sind viele Parkplätze, von denen immer welche frei werden. Wenn wir es denn schaffen, erstmalig einen zu bekommen. Denn gerade als wir dort ankommen, blockiert ein Abschleppwagen in Aktion die gesamte Straße. Abreisende können nicht raus, wir können nicht in eine Parklücke. Ob es ein defekter oder illegal geparkter Wagen war, wir wissen es nicht.

Schließlich quetschen wir unsere Black Beauty in eine hinreichend große Lücke und beschließen, erstmal in Ruhe den Glacier Point zu besichtigen.

Da gibt es einen kleinen – auch rollstuhlgängigen – Weg, der am Endpunkt den Blick in beide Seiten des Tals freigibt.

Aber keine Angst, es ist alles gut abgesichert. Man kann übrigens auch von dort aus ca. vier Meilen ins Tal runterlaufen (bzw. raufsteigen), muss es aber nicht.

Dann suchen wir den Trailhead zum Sentinel Dome. Der ist schnell gefunden, es sind auch nur 1,3 Meilen. Aber dieses nur bergauf. Wir beschließen, dass das aufgrund unsere jetzt schon erlangten Höhe inkompatibel ist, zumal wir auf den Dome ja auch noch raufkraxeln müssten.

Wir versuchen unser Glück lieber noch einmal auf einem der anderen Parkplätze. Nachdem wir ca. 15 Minuten in der Sonne gebraten haben und sich kein Auto bequemte, uns einen Platz freizumachen, beschlossen wir, zu Plan C überzugehen:

Wir fahren ins Tal und schauen uns da um. Vielleicht laufen wir sogar anfänglich den Weg zu den Vernal Falls.

Auf dem Weg nach unten machen wir an einem Aussichtspunkt einen Stop und können gerade noch sehen, wie ein Raubvogel etwas Atzung von der Straße aufliest und wieder verschwindet. In der Hoffnung, diesen wiederzusehen, warten wir und starren in den Himmel und die Landschaft.

Das einzige, was sich zu uns gesellt, sind zwei Krähen, die sich auch über ein frisches Stück Squirrel freuen.

Offensichtlich schon mit Kräutern gewürzt, da braucht man nicht mehr ins Regal zu greifen.

Von der Glacier Point Road biegen wir wieder auf die Wanona Road ein, um durch den Tunnel ins Tal zu fahren.

Diesmal gelingt es uns, auf einem der gut besuchten Parkplätze unseren Dicken unterzubringen. Der Anblick ist wie immer besonders.

Aber ich klettere den Weg zum Inspiration Point ein paar Meter hoch, um auch den Parkplatz zu Dokumentationszwecken zu zeigen. Dort werden pro Minute geschätzt 100 Selfies und Fremdies geschossen.

Als ich wieder unten auf dem Parkplatz bin, kommt mir ein Ranger entgegen. Sieht aus wie ein Gemütsmensch. Ich frage ihn, was man wohl mit ihm machen würde, wenn er allen Besuchern erzählt, dass sie für ein Selfie-Foto ein spezielles Permit brauchen? Er vermutet lachend, dass man ihn tottrampeln würde.

Kurze Zeit später sind wir im Tal angekommen und lassen den Abzweig zu den Bridalveil Falls rechts liegen. Brauchen wir nicht? Doch. Aber ein paar Meter weiter an der Straße gibt es einen Parkstreifen, von dem aus man ohne zu Laufen den Fall auch schön sehen kann. Hier ist er. Je nach Wind in immer anderer Form.

Auf dem weiteren Weg durch das Tal linker Hand El Capitan. Senkrecht und mächtig reckt er sich in den Himmel.

Wie klein Menschen in Relation dazu sind, sehen wir erst auf dem Rückweg, als die Straße näher an dem Felsbrocken vorbeiführt.

Kleiner als Ameisen hängen ein halbes Dutzend Kletterer in der Wand. Ich bräuchte das nicht.

Auf der Straße geht es noch ein wenig weiter zu einem der schönsten Punkte zum Fotografieren in diesem Tal.

Der Fluss macht eine Biegung und die Felsen und die Bäume spiegeln sich im ruhigen Wasser.

Auch hier finden wir einen Parkplatz und ich kann in Ruhe den besten Punkt ausprobieren. Die Vernal Falls bekommen wir nicht mehr mit, mittlerweile ist es schon 16 Uhr und wir müssen schließlich noch die 40 Meilen in ca. 1 1/4 Stunden zurücklegen. Und im Grocery Outlet noch etwas für das Abendessen organisieren.

Soviel zu Plänen. Aber das sind unsere Urlaube.

20.09.2024 – Von Bishop nach Oakhurst – Yosemite National Park

Nun ist es soweit. Wir werden der 395 und damit der Eastern Sierra den Rücken kehren (müssen). Hinter uns liegen wunderbare Tage in dieser tollen Landschaft. Schöne Wanderungen, nette Gespräche und dann immer wieder der Blick in diese Berge.

Nun geht es auf die andere Seite der Bergkette. Durch den Yosemite National Park wollen wir nach Oakhurst fahren. Dort zwei Nächte bleiben und uns noch einmal in den Yosemite vertiefen.

Nach dem Auschecken geht es nach Norden, wie üblich auf der 395. Unsere Lieblingsbergkette strahlt in der Sonne, als wolle sie uns den Abschied absichtlich erschweren. Hat geklappt. Wir kommen wieder.

Dann stellen wir den Tempomat auf die erlaubten 65 Meilen ein und lassen uns bis Lee Vining tragen. Und immer, wenn wir diesen Namen zum Beispiel auf einem Straßenschild sehen, kommt uns die Aussprache einer Stuttgarterin in den Sinn, sie sprach es Lewining aus. Liegt wohl daran, dass im Schwabenland viele Städte mit „ingen“ enden. Ingen-Land halt.

Auf jeden Fall biegen wir auf die 120 Richtung Westen ab und klettern in die Berge. Der Tioga Pass ist offen, wir hatten uns heute morgen noch im Internet erkundigt.

Die Sonne lacht und wir haben nicht viel Verkehr (bisher jedenfalls).

Am Gate zum Nationalpark sind nur drei Autos vor uns, ich zücke den Nationalpark-Pass und meinen Perso und wir sind ruckzuck durch. Weiter unten stehen an Pfosten Hinweisschilder: Wenn Sie an diesem Pfosten in der Warteschlange sind, brauchen Sie noch 1,5 Stunden, bis sie im Park sind. Rosige Aussichten. Dann müssen wir morgen früh dran sein.

Als erstes begrüßt uns der Tioga Lake mit seinem stahlblauen Wasser. Wir folgen der Tioga Road und finden uns bald auf einer der schönsten Hochebenen wieder, der Toulumne Meadows.

Leider reicht unsere Zeit nicht für irgendwelche Wanderungen, denn unser Zeitplan ist straff.

Aber ein Halt am Tenaya Lake muss sein. Dieser See gehört zu den schönsten, den der Park zu bieten hat. Es sind die schroffen und grauen Berge, die die Küstenlinie einrahmen und einen tollen Kontrast zum Himmel bieten.

Das Internet sagt zu dem Namen:
In den indianischen Dialekten Mono und Paiute ist Tenaya der Name eines berühmten Ahwahnechee-Häuptlings und angesehenen Anführers aus dem 19. Jahrhundert sowie ein Titel, der „Vater unser“ bedeutet. Eine Etymologie wie diese erinnert Ihr Kind daran, dass Träume durch harte Arbeit, Mut und eine klare Vision Wirklichkeit werden.

Nächster Haltepunkt ist der Olmsted Point. Dieser verdankt seinen Namen dem Architekten Frederik Olmstedt, welcher auch für das Design des Central Parks verantwortlich zeichnet.

Hier tummeln sich reichlich Besucher, es wird immer voller. Aber der Blick in beide Richtungen entschädigt dafür.

Nun aber schnell auf die Straße. Diese führt ins Yosemite Valley, um sich von dort in verschiedene Richtungen zu verzweigen. Wir wählen die El Portal Road, die uns letztendlich nach Oakhurst bringen soll.

Wenn man aus dem Tal wieder den Berg hinauf fährt, gibt es einen Tunnel und direkt davor einen Parkplatz mit dem Aussichtspunkt „Tunnel View“. Da es fast unmöglich war, einen Parkplatz zu finden, schoss ich nur schnell ein Foto ins Tal.

Von der Straße 140 geht die Glacier Road ab, welche zum Glacier Point führt.

Bevor man diesen erreicht, kann man noch zum Taft Point wandern. Als wir vor einigen Jahren das erste Mal diese Wanderung unternommen haben, bestand der „Parkplatz“ aus einem Turnout mit Gravel. Ein kleines Holzschild wies auf den Trail hin.

Heute gibt es dort zwei richtig große Parkplätze und Toilettenhäuschen. Dass es dort keine Pommesbude und einen Andenkenverkauf gibt, wundert mich. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Der Trail ist etwas über eine Meile lang und endet ein einer steilen und zu großen Teilen ungesicherten Felswand, ab der es hunderte von Metern nach unten geht. Und da ist nichts, was den Fall bremsen könnte.

Auf dem Weg kommt man an mehreren (genauso ungesicherten) Fissures – Felsspalten vorbei. Wem da das Handy reinfällt, der kann sich davon verabschieden.

Dann endlich stehen wir an dem Stückchen Gitter, welches uns vor dem Abgrund schützen soll. Aber meine Göttergatting traut diesem nicht so recht und bleibt lieber etwas weiter hinten.

Aber der Blick ist wirklich atemberaubend. Und dieser Punkt hat noch ein nettes Feature, was anscheindend die wenigsten von den vielen Touris kannten. Man kann sich auf einer der Felsklippen von dem Geländer aus fotografieren lassen.

Ich verzichte ausnahmsweise darauf, die Beine runterbaumeln zu lassen. Hätte meiner Göttergattin wahrscheinlich einen Herzinfarkt beschert.

Nachdem dieses Starfoto im Kasten war, machten wir uns a) auf den Rückweg zum Auto und b) auf den Weg zum Glacier Point. Kurz davor liegt noch der Washburn Point.

Ein etwas anderer Anblick ins Tal.

Und unten links in der Ecke kann man ein paar der wenigen Wasserfälle sehen, die zur Zeit noch Wasser führen: Vernal Falls und Nevada Falls.

Dann geht es weiter zum eigentlichen Glacier Point. Hier hat sich der Tourismus (wie ich es schon für den Taft Point befürchtet hatte) breit gemacht.

Und für die Squirrels und Skipmunks fällt trotz Fütterungsverbot noch immer genug ab. Und wird im Boden versteckt.

Auch hier ein schnelles Foto in die Runde, denn wir müssen zurück. Vor uns liegen ca. 45 Meilen Bergstraße. Was anstrengend, aber nicht weiter schlimm ist. Aber wenn man dann jemanden vor sich hat, der des Autofahrens unkundig ist, kann es zur Geduldsprobe werden. Und da es sich um einen BMW-Fahrer handelt, ist ein zur Seite fahren und vorbeilassen nicht im genetischen Code verankert.

Also üben wir uns in Geduld, betrachten die Auswirkungen eines der großen Feuer.

Und werfen einen Blick ins Abendlicht in die Bergsilhuoetten. Das besänftigt ein wenig.

Als wir den Park verlassen, haben sich ein Dutzend Autos in einem Korso zusammengefügt und rollen gemächlich nach Oakhurst rein.

Das Hotel kennen wir und haben es immer gemocht. Unser heutiges Zimmer hat ziemlich harte Betten und wir hoffen, trotzdem eine gute Nacht zu verbringen.

Auf das Frühstück freuen wir uns. Bisher wurde es nämlich im angrenzenden Restaurant immer mit Metallbesteck serviert. Wir werden sehen und berichten.